Mit der Reihe secret universe hat der Hamburger Bahnhof im Mai 2011 für den Zeitraum von drei Jahren einen Projektbereich eröffnet, der Kunstwerke präsentiert, die Einblicke in faszinierende Möglichkeitswelten und komplexe visuelle Erzählungen geben. Teil drei der Reihe widmet sich dem Werk Morton Bartletts.

Wo kann es noch Geheimnisvolles geben, wenn es im öffentlichen Raum des Museums ausgestellt wird? Liegt es im Gezeigten selbst, in den Bedingungen, unter denen es entstanden ist, in der Wirkung, die es ausübt? Sowohl als auch. secret universe stellt künstlerische Einzelpositionen vor, die sich mit keinem gängigen Label des Kunstbetriebs verschlagworten lassen, die keinem zeitgeistigen Diskurs folgen und doch sämtliche Strategien der zeitgenössischen Kunst nutzen.

Im Zentrum von Bartletts Schaffen stehen 15 halblebensgroße Puppen, zwölf Mädchen und drei Jungen. Bartlett, der sein Studium in Harvard abgebrochen hatte, um zunächst als freier Werbefotograf zu arbeiten, begann Mitte der 1930er Jahre diese Puppen so naturidentisch wie möglich zu gestalten. Er studierte Anatomiebücher und Kostümgeschichte, lernte nähen und mit Ton zu modellieren. Die Entstehungszeit jeder Figur betrug bis zu einem Jahr. Allein das Modellieren eines Kopfes dauerte über 50 Stunden. Für jede seiner Puppen hat Bartlett mehrere Köpfe gefertigt, verschiedene Kostüme entworfen und Perücken geknüpft und sie dann in lebensechten Situationen inszeniert und fotografiert. Er arbeitete mit diversen Hintergründen und Requisiten und deklinierte so verschiedene Momente von Wirklichkeit durch – er setzte ein Mädchen lesend ins Bett, einen Jungen an den Küchentisch, ließ ein anderes mit einem Spielzeughund schimpfen. Danach hauchte Bartlett seinen Geschöpfen mit Hilfe der Fotografie und einer raffinierten Lichtregie Leben ein.

Sein Werk ist zu rein privaten Zwecken entstanden und zu Lebzeiten nie gezeigt worden. Die Puppen, ca. 220 schwarz-weiß Fotografien, Zeichnungen, Farbdias und Kostüme, Perücken sowie zahlreiche Entwürfe aus Ton für Hände, Füße und Ohren wurden erst 1993, ein Jahr nach Bartletts Tod in seinem Haus in Boston, Massachusetts entdeckt. Die Ausstellung in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin ist die erste museale Einzelausstellung mit Werken von Morton Bartlett in Deutschland.

Serviceinfo

Termin: 11.05.2012 bis 29.09.2012
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-20 Uhr und So 11-18 Uhr
Ort: Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50/51, 10557 Berlin

Foto (Ausschnitt): Morton Bartlett o.T., 1950er Jahre © Courtesy of Marion Harris, New York