Andrea Schramms Film begleitet das Berliner Ehepaar Chris und Aline Fussy, die beide an Mukoviszidose leiden, und gewährt einen intimen Einblick in das Leben mit dieser schwerwiegenden Krankheit.

“Als ich 16 war, sagte man mir: Mit 18 bist Du tot. Jetzt bin ich 37. Vielleicht bin ich irgendwann 60 und habe mich durchs Leben geschummelt”, so optimistisch äußert sich Chris Fussy während der Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm “Der achte Sommer”.

Er und seine Frau Aline sind um die 30, als sie sich ineinander verlieben – ein lebenshungriges Paar mit vielen Träumen. Dass sie beide dieselbe unheilbare Krankheit haben, spielt für sie nur am Rande eine Rolle. Sie genießen ihr Glück in vollen Zügen, feiern ein rauschendes Hochzeitsfest und machen das, wozu sie Lust haben. Von Kindheit an haben beide Mukoviszidose, eine Krankheit, die sie wie durch einen Strohhalm atmen lässt.

Chris und Aline Fussy

In ihrem achten gemeinsamen Jahr haben sich die beiden entschieden, sich von der Filmemacherin Andrea Schramm und ihrem Team begleiten zu lassen – nicht ahnend, dass es ihr letzter gemeinsamer Sommer sein wird. Sie möchten Aufmerksamkeit wecken für ihre Krankheit und die einzige Option, die ihnen auf ein längeres Leben bleibt – die Organtransplantation. Ihre behandelnde Ärztin, Privatdozentin Dr. Doris Staab vom Christiane-Herzog-Zentrum am Campus Virchow-Klinikum, ließ für diese Dokumentation einen Einblick in den Stationsalltag zu.

Doch dann ging es Chris zunehmend schlechter

Die meisten Muskoviszidose-Erkrankten sterben mit Mitte 30. Doch Aline und Chris haderten nicht mit ihrem Schicksal: “Wir sind glücklicher als die meisten anderen. Zwar haben wir weniger Zeit, aber leben dafür intensiver.” Doch dann ging es Chris zunehmend schlechter, irgendwann konnte er keine zehn Schritte mehr ohne Sauerstoffgerät laufen. Die Ärzte rieten viel früher als geplant zu einer Lungentransplantation. Chris wurde auf eine Warteliste gesetzt und es begann ein Wettlauf gegen die Zeit – dauerte es zu lange, würde er ersticken, dennoch war Chris optimistisch. Schneller als gedacht kam ein passendes Organ. Die Operation gelang, doch dann gab es Komplikationen. In dieser Zeit durfte nur Aline mit ihrer Kamera zu ihm. Sie filmte Augenblicke eines innigen Zusammenseins, offenbarte aber auch ihre schwachen Momente, die sie vor Chris zu verbergen suchte.

Ende März wurde im Bundestag eine Neuregelung des Transplantationsgesetzes verabschiedet. Ab Sommer werden alle Deutschen von ihren Krankenkassen befragt, ob sie ihre Organe nach dem Tod spenden möchten oder nicht. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema erhoffen sich Politiker und Betroffene wie Chris und Aline eine erhöhte Spendenbereitschaft. Im Moment werden 4.000 Organe jährlich gespendet, demgegenüber stehen 12.000 Deutsche, die auf ein Spenderorgan warten. Eine neue Niere zu bekommen, dauert bis zu sechs Jahren, eine neue Lunge ein Jahr.

“Der achte Sommer” wird am Dienstag, 15. Mai 2012, auf 3Sat um 22.25 Uhr erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

Foto: ZDF/ WDR/Schramm-Matthes-Film