Beim Pokalderby in Mannheim: Dutzende Verletzte nach chaotischen Szenen

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Das DFB-Pokal-Derby zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern geriet zum Chaos: nach einer Rudelbildung auf dem Platz eskalierten Fan-Ausschreitungen, das Spiel wurde unterbrochen. Erst nach einem mehr als halbstündigen Einsatz zahlreicher Polizeikräfte konnte die Partie fortgesetzt werden; Kaiserslautern gewann schließlich 1:0 nach Verlängerung.

Auslöser: kleines Handgemenge, große Wirkung

Der Zwischenfall begann kurz vor Ende der regulären Spielzeit. Lautern-Kapitän Marlon Ritter rempelte nach einem Zweikampf einen Gegenspieler an. Was zunächst wie eine kleinere Rudelbildung wirkte, löste auf den Rängen eine heftige Reaktion aus.

Zweikampf auf dem Platz kurz vor der Rudelbildung
Ein Zweikampf, der die Auseinandersetzung auf dem Platz auslöste.

Aus dem Fanbereich flogen Becher und andere Gegenstände in Richtung des Lautrer Spielers. Kurz darauf landeten mehrere Raketen auf dem Spielfeld. Nach Angaben aus Berichten wurden Feuerwerkskörper offenbar aus dem Gästeblock in Richtung der Haupttribüne abgefeuert.

Pitch-Invasion und harte Polizeimaßnahmen

Im Anschluss versuchten offenbar Anhänger des Heimteams, den Rasen zu stürmen; zeitweise befanden sich mehrere Personen bereits auf dem Spielfeld. Die Polizei rückte massiv an, um die Lage zu kontrollieren.

Polizeikräfte mit Pferden und Hunden vor einem Zuschauerblock
Massiver Polizeieinsatz mit Reitern und Hundestaffel zur Eindämmung der Ausschreitungen.

Zu sehen waren unter anderem Polizeireiter und Hundestaffeln. Medienberichte, etwa von Kicker, berichten zudem, dass Einsatzkräfte zeitweise in den Mannheimer Fanblock vorgedrungen seien und Pfefferspray einsetzten, um die Lage zu beruhigen.

Bilanz des Abends

Die Polizei sprach von insgesamt 35 leicht verletzten Beamten – 33 von der Bundespolizei und zwei aus Baden-Württemberg. Insgesamt waren rund 1.400 Einsatzkräfte im Einsatz.

Auch zahlreiche Zuschauer erlitten Verletzungen: 85 Personen benötigten medizinische Betreuung, acht von ihnen wurden zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Eine Polizeisprecherin bezeichnete die Verletzungen nach bisherigen Erkenntnissen als überwiegend leicht.

Wie das Spiel weiterging

Schiedsrichter Robert Schröder schickte die Mannschaften in die Kabinen und unterbrach die Partie; zu diesem Zeitpunkt war noch kein Tor gefallen. Mit Beginn der Rudelbildung hatte Schröder die reguläre Spielzeit faktisch beendet.

Nach einem längeren Einsatz der Polizei verließ das Gros der Beamten den Rasen und die Partie wurde wieder aufgenommen. In der anschließenden Verlängerung entschied Ibrahim Kanaté in der 120. Minute das Spiel zugunsten von Kaiserslautern.

Reaktionen der Vereinsverantwortlichen

Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen kritisierte das Ausufern der Szene deutlich. Er sagte bei Sky, dass Emotionen zu Derbys gehörten, Gewalt und Ausschreitungen aber nicht. Hengen lobte zugleich das Eingreifen der Polizei und das umsichtiges Handeln des Schiedsrichterteams, das einen Spielabbruch verhindert habe.

Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber erklärte, er könne sich vorstellen, das Spiel abzubrechen, sollte die Sicherheit von Familien gefährdet sein. „Wenn Raketen in den Familienblock geschossen werden, ist das Maß überschritten“, sagte Zuber.

Schiedsrichter Schröder kündigte an, der DFB werde einen ausführlichen Sonderbericht erstellen. Vor dem Anpfiff hatte FCK-Trainer Torsten Lieberknecht gehofft, dass alles „fair auf dem Platz“ entschieden werde – ein Wunsch, der sich am Abend nicht erfüllte.

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