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Clemens Pig zeichnet in seinem Buch Welt ohne Wahrheit ein Bild der Informationsgesellschaft im Zeitalter von KI, Algorithmen und Desinformation. Er plädiert für neue Regeln, digitale Souveränität und eine stärkere Rolle öffentlicher Medien, damit Demokratien ihre Informationsordnung verteidigen können.
Worum es geht
Die zentrale Fragestellung des Buches lautet: Wie lässt sich Öffentlichkeit gestalten, wenn automatisierte Systeme und gezielte Falschinformationen Fakten verwischen? Pig analysiert Risiken wie manipulative KI-Anwendungen und die Ökonomie der Aufmerksamkeit. Seine Antwort ist nicht rein technisch: Sie kombiniert Regulierung, institutionelle Reformen und eine aktivere Rolle der Nutzerinnen und Nutzer.

Im zweiten Teil seiner Reihe setzt sich der Autor besonders mit unkontrollierten KI-Technologien auseinander, die Stimmen nachahmen, Inhalte verzerren und Debatten binnen kurzer Zeiträume verschieben können. Als Gegenentwurf schlägt er eine europäische, demokratisch verankerte Informationsordnung vor, in der Medien als vertrauenswürdige Orientierungspunkte fungieren.
Beiträge und Gesprächspartner
- Maria Ressa (Friedensnobelpreisträgerin für Pressefreiheit)
- Jeff Jarvis (Journalismusforscher)
- Carlo Masala (Sicherheitsexperte)
- Maria Scholl (Chefredakteurin APA)
- Martin Andree (Medienwissenschaftler)
- Dmitry Shishkin (Medienmanager)
Der Autor
Clemens Pig ist Geschäftsführer der APA – Austria Presse Agentur und Präsident des Österreichischen Genossenschaftsverbands (ÖGV). Er hat bereits Beiträge zu Medien und Nachrichtenagenturen veröffentlicht und beschäftigt sich beruflich mit Medien- und Innovationsmanagement, Plattformökonomie sowie internationaler politischer Kommunikation.
Zu seinen Gründungsprojekten zählt das MediaWatch‑Institut für Medienanalysen. Im Juni 2026 bestimmte ihn der Stiftungsrat zum Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF) mit Wirkung ab Januar 2027.
Die Idee der „fünften Säule“
Ein zentrales Konzept des Buches ist die Vorstellung von der Öffentlichkeit als fünfter Säule der Demokratie. Pig argumentiert, redaktionelle Angebote müssten wieder deutlicher der politischen Mitte zuarbeiten — nicht in parteipolitischer, sondern in methodischer Hinsicht: gründlich recherchiert, quellensicher, pluralistisch und sprachlich präzise.

Er fordert eine Redaktionstätigkeit, die sich nicht als Partei versteht, sondern als kritischer Beobachter aller Machtzentren und als Brücke zu verschiedenen Lebenswirklichkeiten. Dieses Reformkonzept dient ihm zugleich als praktikables Modell für öffentlich-rechtliche Medienreformen in Europa.
Öffentlichkeit, Inklusion und die Voraussetzungen des Staates
Das Buch verknüpft medienpolitische Vorschläge mit einer längeren demokratischen Debatte: Liberal-demokratische Ordnungen seien auf gesellschaftliche Voraussetzungen angewiesen, die der Staat nicht erzwingen kann. Eine offene, inklusive Medienlandschaft trage dazu bei, diese Voraussetzungen beständig zu prüfen und zu erneuern.
In diesem Sinne versteht Pig Public Media nicht nur als Informationsquelle, sondern als Teil eines gesellschaftlichen Netzes, das Debattenräume bereitstellt und demokratische Lernprozesse fördert.
Literaturangaben
Clemens Pig: Welt ohne Wahrheit — Demokratie verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung
ISBN 978-3-7106-0962-6. Format: 14 × 21,5 cm, 216 Seiten. Hardcover mit Schutzumschlag. Preisangabe: 25,– €.











