Ausgrabung fördert 43 römische Skelette zutage — Hinweise auf tödliche Krankheit

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Neue Untersuchungen an menschlichen Überresten aus einem Brunnen bei Osijek deuten darauf hin, dass die Toten nicht durch Kampfhandlungen, sondern möglicherweise durch eine Seuche ums Leben kamen. Archäologen und Bioarchäologen sehen in den Befunden Anzeichen, die mit der sogenannten cyprianischen Pest in Verbindung stehen könnten — endgültige Klarheit könnten aber erst ausstehende DNA-Analysen bringen.

Archäologischer Kontext: Mursa und die Brunnen

Die Fundstelle liegt in der Nähe der römischen Siedlung Mursa, die Kaiser Hadrian im Jahr 133 n. Chr. in der Provinz Pannonien anlegen ließ. Teile der antiken Stadt liegen heute unter dem modernen Osijek, weshalb Ausgrabungen nur punktuell möglich sind.

Ausgrabungsstelle eines römischen Brunnens nahe Mursa mit Erdschichten und Ausrüstung
Der Fundort in der Nähe der antiken Siedlung Mursa: punktuelle Grabungen in städtischem Umfeld.

Seit 2008 wurden an mehreren Stellen der Gegend Brunnen aus der Römerzeit dokumentiert. Viele dieser einstigen Wassergruben waren inzwischen trockengefallen und dienten offenbar als einfache Entsorgungsorte für menschliche Überreste.

Die Neubewertung von 43 Skeletten

Ein Forschungsteam unter Leitung des Bioarchäologen Mario Novak vom Institut für Archäologische Forschung in Zagreb hat 43 Skelettfunde aus einem dieser Brunnen erneut untersucht. Die Gruppe umfasst Männer, Frauen und Kinder.

Die Untersuchung ergab keine eindeutigen Verletzungen, die auf unmittelbare Gewalteinwirkung hindeuten würden. Daraus schließen die Forscher, dass diese Individuen kaum Opfer einer Schlacht gewesen sein können — ein Befund, der von früheren Ausgrabungen an anderen Brunnen abweicht.

In zwei weiteren Brunnen fanden Novak und sein Team zuvor zahlreiche junge Männer mit klaren Spuren schwerer Traumata. Diese Funde setzen die Forscher mit der Schlacht von Mursa um das Jahr 260 in Verbindung.

Seuche als mögliche Todesursache

Weil die 43 Bestatteten ein breites demografisches Spektrum abdecken, halten die Forscher eine Epidemie als plausible Erklärung für die hohe Zahl an Toten. Historische Quellen schildern im 3. Jahrhundert eine weitreichende Seuche, die heute als cyprianische Pest bezeichnet wird und etwa zwischen 250 und 270 n. Chr. wütete.

Bioarchäologe im Labor bei der Probenahme von Knochen für DNA-Tests
Geplante DNA-Untersuchungen könnten klären, ob eine Epidemie vorlag.

Berichte aus der Antike verweisen darauf, dass die Krankheit zunächst unter Soldaten an der Donau auftrat und sich von dort aus weiterverbreitete. Als mögliche Erreger werden in der Forschung unter anderem hämorrhagische Fiebererkrankungen und Pocken diskutiert — gesicherte Aussagen lassen sich aus den Knochenfunden allein jedoch nicht ableiten.

Was die Skelette zeigen

Die Analyse identifizierte unter anderem Hinweise auf Tuberkulose und Skorbut sowie verbreitete Leiden wie Wirbelsäulenarthrose und Zahnkaries. Solche Markierungen dokumentieren den allgemeinen Gesundheitszustand, liefern aber keine eindeutige Spur für die akute Todesursache.

Novak stellte seine Ergebnisse auf der 25. Tagung der European Paleopathology Association in Berlin vor; ein ausführlicher Bericht erschien laut Angaben in Live Science. Die Forscher betonen, dass geplante DNA-Untersuchungen zusätzliche Informationen bringen könnten — etwa zur Frage, ob die Verstorbenen Opfer der cyprianischen Seuche wurden.

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