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In Kainua bei Marzabotto haben Archäologen einen jahrtausendealten Brunnen freigelegt, der überraschend gut erhaltene Kultgegenstände enthält. Die Entdeckung liefert neue Einblicke in rituelle Praktiken der Etrusker und ergänzt das Bild einer bedeutenden antiken Stadt im Po‑Tal.
Ausgrabung und die neuen Funde
Die Grabung führte die Universität Bologna gemeinsam mit der Archäologischen Gruppe Ravenna (GRA) durch. In einem Brunnenschacht kamen zwei weibliche Bronzestatuetten und eine seltene Bronzeschale zum Vorschein.

Die Metallobjekte zeigen nach Angaben der Forscher erstaunlich gut erhaltene Oberflächen. Archäologen werten sie als Votivgaben, die offenbar im Rahmen ritueller Handlungen deponiert wurden. Die Anlage wird in die Zeit vom späten 6. bis in die ersten Jahrzehnte des 5. Jahrhunderts v. Chr. datiert.
Kurz vor dem Schachtboden entdeckten die Teams zudem menschliche Überreste: die Skelettreste zweier erwachsener Personen. Experten gehen davon aus, dass diese Funde späteren Zeremonien zuzuordnen sind und nicht Teil des ursprünglichen Gründungsrituals.
Brunnen im Zentrum religiöser Praxis
Der Fundort liegt im Heiligtumsbereich der antiken Stadt. Bereits früher waren dort zwei monumentale Tempel dokumentiert worden.
Inschriften am Tempelkomplex verweisen auf das höchste etruskische Götterpaar, Tinia und Uni. Vor diesem Hintergrund wird der Brunnen nicht nur als Wasserversorgungsanlage verstanden, sondern als Schauplatz ritueller Handlungen mit besonderer kultischer Bedeutung.
Die Funde deuten darauf hin, dass der Brunnen über einen längeren Zeitraum hinweg Opfer- und Weihehandlungen aufnahm. Damit trägt die Entdeckung dazu bei, die Rolle von Wasser in etruskischen Kulten besser zu fassen.
Kainua: Stadtgründung, Wirtschaft und Niedergang
Kainua entstand gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. in der fruchtbaren Ebene des Reno-Tals. Archäologische Befunde zeigen eine planmäßige Stadtanlage, die sich an griechischen Vorbildern orientierte: Straßenraster, Wohnviertel, Produktionszonen und Kultbereiche folgten klaren Ordnungsprinzipien.

Die Lage am Fluss machte Kainua zu einem wichtigen Handelszentrum. Über Verbindungen zur tyrrhenischen Küste flossen Rohstoffe wie Bronze und Eisen in die Stadt, was eine ausgeprägte Metallverarbeitung begünstigte. Rund zwei Jahrhunderte lang erlebte die Siedlung eine Blütezeit.
Im mittleren 4. Jahrhundert v. Chr. endete diese Phase durch keltische Einfälle. Die Kelten nutzten die Ruinen später als militärischen Stützpunkt zur Kontrolle des Tals.
Zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. entstand auf dem verfallenen Areal ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb. Anschließend geriet der Ort größtenteils in Vergessenheit und wurde erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt.
Forschung und Präsentation
Weil die Fläche über lange Zeit kaum überbaut wurde, ist der Grundriss Kainuas ungewöhnlich gut erhalten. Die Universität Bologna führt dort seit 1988 regelmäßig Ausgrabungen durch.
Nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen sollen die frisch geborgenen Objekte in die Sammlung des Nationalen Etruskermuseums in Marzabotto übernommen werden.











