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Wien reagiert auf zunehmende Sommerhitze mit mehr Grün und gezielten Kühlmaßnahmen: Straßen werden entsiegelt, Bäume gepflanzt und temporäre Abkühlungsangebote zu dauerhaften Verbesserungen ausgebaut. Die Maßnahmen sollen städtische Hitzeinseln verringern und die Aufenthaltsqualität in den Quartieren auch an heißen Tagen sichern.
Warum „cool“ heute praktisch gemeint ist
Was früher als Synonym für lebendige Viertel verstanden wurde, gewinnt in Zeiten steigender Temperaturen eine zusätzliche Bedeutung. In der Klimadebatte steht „Cooling“ inzwischen für das Bündel an Maßnahmen, mit denen Städte ihre öffentlichen Räume kühler und damit nutzbarer machen.
Das Phänomen der deutlich wärmeren Innenstadtbereiche ist als Urban Heat Island bekannt. Innenstädte mit hohem Versiegelungsgrad speichern tagsüber mehr Wärme und geben sie nachts ab. Wien zählt zu den Metropolen, die von den statistisch steigenden Temperaturen besonders betroffen sind. Bereits 2015 legte die Stadt den Urban Heat Island‑Strategieplan (UHI STRAT Wien) vor, um der Entwicklung entgegenzuwirken.
Vom Pop‑up‑Experiment zur dauerhaften „Coole Straße“
Im Sommer 2019 testete Wien erstmals mehrere temporäre „Coole Straßen“: für rund vier Wochen kamen Elemente wie Nebelduschen zum Einsatz, die in der Hitze kurzfristig für Abkühlung sorgten. Die Aktion stieß auf positive Resonanz.

Schon 2020 folgte die Ausweitung: Vier Straßen — die Phorusgasse, Goldschlagstraße, Pelzgasse und Franklinstraße — wurden als „Coole Straße Plus“ umgestaltet. Dort ergänzen technische Kühlangebote langfristig wirksame Eingriffe, etwa Flächenentsiegelung und zusätzliche Pflanzflächen mit neu gesetzten Bäumen.
Durch diese baulichen Maßnahmen bleiben die Bereiche längerfristig kühler als zuvor. Nebelduschen oder Wasserspiele liefern schnelle Erleichterung, während entsiegelte Flächen und Bäume die Aufheizung dauerhaft reduzieren.
Der Mehrfachnutzen von Stadtbäumen
Bäume sind ein zentrales Instrument der städtischen Kühlung. Sie spenden Schatten und mindern die Luft- und Bodenaufheizung. Zusätzlich kühlen sie durch Verdunstung an den Blattoberflächen und verringern so die Temperatur in ihrer Umgebung.

Ein weiterer Vorteil: Gesunde, großkronige Bäume speichern CO2 und verbinden damit Anpassung und Klimaschutz. Damit Bäume diese Effekte entfalten, brauchen sie ausreichend Luft, Wasser und Wurzelraum. Aus diesem Grund gehört das Schwammstadt‑Prinzip — das den durchwurzelbaren Raum vergrößert — zum Werkzeugkasten der Stadtverwaltung.
Stadtweite Zielvorgaben und laufende Projekte
Wien hat einen Hitzeaktionsplan verabschiedet und konkrete Ziele formuliert. Bis 2025 sollen laut Plan 25.000 neue Stadtbäume gepflanzt werden. Diese Bäume sind für Plätze, Parks und Straßen vorgesehen und sollen Teil größerer Umgestaltungen werden.
Ein Beispiel: Die Pfeilgasse wird derzeit zu einer sogenannten klimafitten Fahrradstraße umgebaut und soll bis 2024 nicht nur mehr Platz für Radfahrende bieten, sondern auch entsiegelte Grünflächen sowie 30 neu gepflanzte Bäume erhalten. Nach dem Regierungswechsel 2020 wird zwar nicht mehr überall die Bezeichnung „Coole Straße Plus“ verwendet, die Maßnahmen richten sich in ihrer Wirkung jedoch an denselben Zielen aus.
Frisch gepflanzte Bäume brauchen Zeit, um zur wirksamen „natürlichen Klimaanlage“ zu werden. Ihre kühlende Wirkung wächst mit jedem Jahr ihres Wachstums. Deshalb gilt: Auch wenn das Pflanzen allein nicht alle Probleme sofort löst, ist es eine langfristig wirksame Strategie. Vermutlich werden auf die bis 2025 gesetzten Ziele weitere Maßnahmen folgen müssen, um den fortschreitenden Klimawandel dauerhaft abzufedern.
Der Beitrag erschien im Presseportal des Bund Deutscher Baumschulen e.V. als Gasttext von Stefanie Syren, die in München lebt und arbeitet.











