Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen
Forscher von TU Darmstadt und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schlagen eine wenig beachtete Alternative zur fossilen Stromerzeugung vor: die Verbrennung von **Eisenstaub**. Nach Berechnungen des KIT könnte dieser Ansatz in vielen Zukunftsszenarien Versorgungslücken im Stromnetz schließen und sich wirtschaftlich rechnen.
Umbau statt Neubau: Kohlekraftwerke können weitgehend weitergenutzt werden
Die Idee: vorhandene Kohlekraftwerke werden technisch so angepasst, dass sie statt Kohle fein vermahlenen Eisenstaub verbrennen. Das würde den Erhalt bestehender Hochspannungsinfrastruktur ermöglichen und den Aufwand für neue Gasleitungen oder LNG-Anlandungen vermeiden.

Praktisch ist Eisenstaub laut Projektbetreibern kein Gefahrgut wie Erdgas und lässt sich per Lkw transportieren. Ein einzelner Container fasst demnach rund 26 Megawattstunden Energie. Der Brennstoff liefert hohe Verbrennungstemperaturen – bis zu etwa 2.000 Grad Celsius – weshalb Anpassungen an Brennkammern und Wärmetauschern nötig sind.
Das KIT nennt für die Stromgestehung Kosten von bis zu 8 ct pro Kilowattstunde, womit die Technologie als Ergänzung zu Wind- und Solarstrom interessant wäre. Der finanzielle Einsatz für Umrüstarbeiten fällt den Projektbeschreibungen zufolge deutlich geringer aus als der Neubau von Gaskraftwerken inklusive Infrastruktur.
Geschlossener Stoffkreislauf statt CO2-Emissionen
Beim Verbrennen von Eisen entsteht Eisenoxid – im Alltag als Rost bekannt. Dieses Produkt lässt sich nach Angaben der Forscher mit überschüssigem Strom wieder zu metallischem Eisen beziehungsweise Eisenstaub zurückführen. Damit entstünde ein nahezu klimaneutraler Kreislauf, sofern die Rückführung mit erneuerbarem Strom erfolgt.

Das Forschungsprojekt heißt Clean Circles und untersucht genau diese Kreislaufprozesse sowie die technische Umsetzbarkeit in bestehender Kraftwerkstechnik. In Medienbeiträgen, darunter ein deutscher YouTube-Beitrag des Kanals Norio, wird die Methodik mit technischen Quellenangaben erläutert und ein Anlagenkonzept gezeigt, das in Deutschland zum Einsatz kommen soll.
Europaweit gesteigertes Interesse und mögliche politische Folgen
Die Idee hat inzwischen europaweit Aufmerksamkeit gewonnen. Laut Darstellung der Projektpartner investieren mehrere Staaten in die Erforschung; die Niederlande werden in der Berichterstattung mit einer Fördersumme von 114 Millionen Euro genannt. In Deutschland ist die Serienfertigung und Zertifizierung zunächst für Hessen vorgesehen.
Für die nationale Energiepolitik bedeuten solche Konzepte konkrete Optionen: Entschädigungszahlungen für den Kohleausstieg könnten nach Einschätzung der Befürworter anders verwendet werden, wenn bestehende Kraftwerke mit neuer Brenntechnologie weiterbetrieben werden. Sollte die Bundespolitik Förderprogramme auflegen, sieht die Projektseite Chancen, dass Deutschland eine Vorreiterrolle in der Entwicklung und Serienfertigung von Anlagen einnehmen könnte.
Gleichzeitig bleiben praktische Fragen offen: Die Umstellung erfordert Investitionen in Anlagentechnik und Logistik sowie geprüfte Verfahren zur Rückführung von Eisenoxid in metallischen Zustand. Die Forschenden betonen, dass die ökologische Bilanz von der Energiequelle für die Rekristallisierung abhängig ist.











