Ausstellung zur Zwangsarbeit in NS-Zeit im Jüdischen Museum Berlin
Über 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus fast allen Ländern Europas wurden als »Fremdarbeiter«, Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge in das nationalsozialistische Deutschland verschleppt oder mussten in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten. Spätestens seit 1942 gehörten Zwangsarbeiter zum Alltag im nationalsozialistischen Deutschland. Die aus allen Teilen Europas, vor allem aus den östlichen Ländern, deportierten Arbeitskräfte wurden überall eingesetzt: in Rüstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk, in öffentlichen Einrichtungen und in Privathaushalten. Ob als Besatzungssoldat in Polen oder als Bäuerin in Thüringen – alle Deutschen begegneten Zwangsarbeitern, viele profitierten davon. Zwangsarbeit war kein Geheimnis, sie war ein weitgehend öffentlich stattfindendes Verbrechen.
Die Ausstellung »Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg« erzählt erstmals die gesamte Geschichte dieses Verbrechens und seiner Folgen nach 1945.
(Zwangsarbeiter auf dem Gelände des Daimler-Werkes in Minsk, beaufsichtigt durch einen Mitarbeiter der deutschen Organisation Todt, September 1942. Quelle: Mercedes-Benz Classic, Archive, Stuttgart)
Die Ausstellung gliedert sich in vier Abschnitte: Der erste Teil ist den Jahren 1933 bis 1939 gewidmet. Hier werden insbesondere die rassistisch-ideologischen Wurzeln der nationalsozialistischen Zwangsarbeit offengelegt. Was bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges propagiert, teils in Gesetze gefasst und mit breiter gesellschaftlicher Teilhabe in die Praxis umgesetzt wurde, bildete den Ausgangspunkt für die nachfolgende Radikalisierung der Zwangsarbeit im besetzten Europa, bis hin zur Arbeit als Vernichtung. Dieser Ausweitung und Radikalisierung ist der zweite Abschnitt der Ausstellung gewidmet. Der dritte Ausstellungsabschnitt wendet sich der Zwangsarbeit als Massenphänomen im Deutschen Reich ab 1941/42 zu. Er endet mit Massakern an Zwangsarbeitern bei Kriegsende. Der vierte Teil der Ausstellung umfasst die Zeit von der Befreiung 1945 bis zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Anerkennung der Zwangsarbeit als Verbrechen in der Gegenwart. Das letzte Wort haben ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
(Ukrainische Zwangsarbeiter erhalten nach ihrer Befreiung eine Mahlzeit. Für viele von ihnen war es das erste richtige Essen nach Wochen. Anrath bei Mönchengladbach, März 1945. Quelle: National Archives, Washington)
Kuratiert wurde die Ausstellung von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, initiiert und gefördert von der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«. Die Schirmherrschaft für die Ausstellung hat Bundespräsident Christian Wulff übernommen. Erste Station der internationalen Ausstellungstournee ist das Jüdische Museum Berlin, weitere Stationen in europäischen Hauptstädten sowie in Nordamerika sind geplant.
Die Ausstellung ist noch bis zum 30.Januar 2011 im Jüdischen Museum Berlin zu besichtigen.
Serviceinfos
Adresse
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9-14
10969 Berlin Stadtplan >>
Öffnungszeiten
Montag: 10-22 Uhr
Dienstag-Sonntag: 10-20 Uhr
Anfahrt
U1, U6 Hallesches Tor
U6 Kochstraße
Bus M29, M41, 248
website: www.ausstellung-zwangsarbeit.org
Foto oben: G. Gronfeld; Quelle: Deutsches Historisches Museum, Berlin
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