In Wolfslake übertrumpfen Speedway-Fahrerinnen ihre männlichen Gegner

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In Wolfslake südlich von Berlin treffen an diesem Samstag die deutschen Speedway-Stars zum vorletzten Lauf der Meisterschaft aufeinander. Auf dem 335 Meter langen Oval erwarten die Fans spektakuläre Duelle – nicht zuletzt, weil mit Celina Liebmann, Hannah Grunwald und Patricia Erhart drei Fahrerinnen das Feld bereichern.

Wie Speedway funktioniert – kurz und anschaulich

Vier Piloten starten gleichzeitig, fahren vier Runden gegen den Uhrzeigersinn über eine Aschebahn und kämpfen um drei, zwei, einen oder null Punkte je Lauf. Auf den Motorrädern sitzen rund 70 bis 80 PS; kontrolliertes Abbremsen gibt es nicht, denn die Maschinen sind ohne Bremsen gebaut. Stattdessen werden die Lenker entgegen der Fahrtrichtung nach rechts gedreht und das Bike absichtlich quergelegt, um mit hoher Geschwindigkeit durch die Kurven zu rutschen.

Vier Speedway-Fahrer starten nebeneinander auf einer Aschebahn
Vier Piloten starten gleichzeitig auf dem Oval – nur kurze, intensive Rennen zählen.

Das Ergebnis: pure Entschlossenheit am Gasgriff. Je nach Strecke können die Fahrerinnen und Fahrer Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erreichen – oder sie müssen im Zweifel früh vom Gas gehen, um einen Sturz zu vermeiden.

Das Rennen in Wolfslake beginnt am Samstag um 18 Uhr. Die Anlage liegt nordwestlich von Berlin (Autobahn Richtung Hamburg, Ausfahrt Oberkrämer) und zählt zu den wichtigen Stationen im Kampf um den deutschen Titel.

Celina Liebmann: Vorreiterin mit internationaler Anerkennung

Celina Liebmann ist 25 Jahre alt und stammt aus Wasserburg am Inn. Sie gilt in Deutschland als eine der führenden Figuren im Frauen-Speedway. Ihr Vater Jürgen (57) fuhr lange im Eisspeedway und stand mit dem Team 2001 und 2003 jeweils auf dem Podium bei Weltmeisterschaften – das sind einige der prägenden Familieneindrücke.

Eine anonymisierte Motorradfahrerin in voller Schutzkleidung auf der Startlinie
Celina Liebmann ist eine der führenden deutschen Fahrerinnen im Speedway.

Liebmann erzielte 2024 ihren bislang größten sportlichen Erfolg mit dem Sieg der Women’s Gold Trophy, dem bedeutendsten Titel in reinen Frauenrennen. Als Anerkennung erhielt sie einen Jahresvertrag in der englischen Profiliga – nach Angaben des Veranstalters ein Novum: als erste Frau weltweit in dieser Liga.

Für Liebmann hat das direkte Duell mit männlichen Gegnern besonderen Stellenwert. Sie sagt: „Gegen die Jungs zu gewinnen, ist für mich die Sahne auf der Kirsche!“ – ein Großteil ihrer Läufe, etwa 98 Prozent, bestreitet sie gegen männliche Konkurrenten.

Hannah Grunwald: jung, erfolgreich, ambitioniert

Hannah Grunwald aus Parchim gilt derzeit als stärkste deutsche Fahrerin. Die 19-Jährige gewann 2025 den Women’s World Cup – nach einem zusätzlich angesetzten Entscheidungsrennen setzte sie sich gegen die Konkurrenz durch und übernahm damit die Spitzenposition von Liebmann.

Grunwald formuliert klare Ziele: Sie möchte langfristig von Speedway leben können. Dass dieser Wunsch realistisch ist, hängt von weiteren Engagements in den starken Ligen ab. Polen wird derzeit als die leistungsstärkste Nation im Speedway beschrieben; auch England bietet attraktive Perspektiven für Fahrerinnen mit internationalem Potenzial.

Patricia Erhart: Chance als Nachrückerin

Die 22-jährige Patricia Erhart aus Gröbenzell rückt in Wolfslake ins Feld nach, nachdem Erik Riss (30) aus Memmingen wegen Augenproblemen ausfällt. Riss ist als fünfmaliger Langbahn-Weltmeister eine herausragende Persönlichkeit im deutschen Motorsport; seine Abwesenheit öffnet Platz für junge Talente wie Erhart.

Im Unterschied zum Speedway sind Langbahn-Rennen deutlich länger: Eine Runde kann hier zwischen 1.000 und 1.200 Metern messen. Erhart selbst betont, dass sie Respekt vor dem Niveau habe, aber keine Angst. „Wenn ich den Helm aufsetze, ist jeder Gegner gleich“, sagt die Aufsteigerin.

Ihr Mentor ist Martin Smolensk, ein dreimaliger Langbahn-Weltmeister aus München (41). Er lobt Erharts Lerntempo und ihre zurückhaltende Art: „Sie lernt schnell und bleibt dabei zurückhaltend.“

Historischer Blick und Bedeutung des Rennens

Speedway ist eine traditionsreiche Motorsport-Disziplin: Das erste dokumentierte Rennen fand am 15. Dezember 1926 in Maitland (New South Wales, Australien) statt und folgte bereits damals den heute noch bekannten Regeln. In Deutschland bieten Veranstaltungen wie in Wolfslake nicht nur Sport, sondern auch Nachwuchsperspektiven.

Mit 16 gestarteten Fahrerinnen und Fahrern in Wolfslake geht es um wichtige Punkte im Endspurt der Meisterschaft. Für die drei genannten Fahrerinnen ist der Auftritt eine Gelegenheit, sich national zu profilieren und die eigene Karriere weiter voranzutreiben.

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