Spitzenkandidaten für die Berlin-Wahl 2026 im Überblick

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Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl stehen fest — allerdings mit teilweise überraschenden Wechseln. Nach dem Rückzug von Kai Wegner und dem Verzicht von Franziska Giffey wird Berlin im September voraussichtlich zum dritten Mal in fünf Jahren eine neue Führung wählen.

Stefan Evers (CDU)

Stefan Evers wurde Mitte Juli offiziell zum Spitzenkandidaten der Berliner CDU gekürt. Der 46‑Jährige ist seit 15 Jahren Mitglied des Abgeordnetenhauses, war unter Kai Wegner Finanzsenator und übernahm nach dem Rücktritt von Sarah Wedl‑Wilson zusätzlich das Kulturressort. Zugleich ist Evers kommissarischer Landespartei­chef — derzeit also in mehreren Funktionen aktiv.

Ein Mann mittleren Alters in formaler Kleidung an einem Schreibtisch in einem Regierungsbüro.
Stefan Evers ist seit 15 Jahren Mitglied des Abgeordnetenhauses.

Der in Paderborn aufgewachsene Jurist studierte in Potsdam und lebt seit Ende der 1990er Jahre in Berlin. Evers beschreibt sich als Vertreter eines modernen Konservatismus und hat wiederholt betont, alles daran setzen zu wollen, eine linksgrüne Regierung zu verhindern. Zu seinen umstrittenen Vorschlägen gehört die Idee, Bezieherinnen und Bezieher von Sozialleistungen zeitweise als Reinigungskräfte einzusetzen, um Probleme mit Müll in der Stadt zu verringern.

Steffen Krach (SPD)

Die SPD tritt mit Steffen Krach an, der als neuer Spitzenkandidat das Ziel verfolgt, das Rote Rathaus zurückzugewinnen und den anhaltenden Abwärtstrend der Partei in Berlin zu stoppen. Krach, Jahrgang 1979, gilt als pragmatischer Adminstrator ohne starke Verstrickung in interne Flügelkämpfe.

Sein politischer Werdegang begann 2007 als persönlicher Referent des damaligen Bildungs‑ und Wissenschafts­senators Jürgen Zöllner. Zuvor studierte Krach Sozial‑ und Politikwissenschaften in Göttingen und an der Freien Universität Berlin. 2014 kam er als Staatssekretär für Wissenschaft auf Landesebene zurück.

Vor fünf Jahren wechselte Krach nach Hannover und wurde Regionspräsident. Für den Berliner Wahlkampf ist er seit Ende März beurlaubt. Eine Rückkehr in das hannoversche Amt ist praktisch ausgeschlossen: Die dort turnusmäßige Wahl eines neuen Regionspräsidenten findet bereits vor der Berliner Abstimmung statt.

Werner Graf (Bündnis 90/Die Grünen)

Bei den Grünen tritt erneut eine Doppelspitze an: Auf der Landesliste steht Bettina Jarasch auf Platz eins, doch als offizielle Spitzenkandidatur wurde diesmal Werner Graf nominiert. Im Parteitag votierten die Delegierten bei Jarasch mit über 90 Prozent Zustimmung, bei Graf lag die Unterstützung bei rund 86 Prozent.

Der 1980 geborene Graf stammt aus der Oberpfalz und kam über Engagements in der Grünen Jugend und die Bundesgeschäftsstelle der Partei nach Berlin. In der Hauptstadt hat er sich in Friedrichshain‑Kreuzberg sowie im Landesverband profiliert und gehört dem linken Flügel der Partei an. Graf hat bei früheren Koalitionsverhandlungen mitgewirkt und spricht sich tendenziell für eine Mitte‑Links‑Regierung aus.

Trotz politischer Gegensätze pflegt Graf Berichten zufolge ein sachliches Verhältnis zum amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner.

Elif Eralp (Die Linke)

Elif Eralp führt die Berliner Linke erstmals als Spitzenkandidatin in eine Landtagswahl. Die Juristin, Jahrgang 1981, bringt eine persönliche und politische Biografie mit: Eltern mit Fluchterfahrung, ein juristisches Studium und ein früher Einstieg in die parteinahe Rechtsberatung auf Bundesebene.

Eine Frau in professioneller Kleidung in einem modernen Büroumfeld.
Elif Eralp bringt juristisches Fachwissen in ihren Wahlkampf mit.

Eralp kam 2010 nach Berlin, arbeitete als Rechtsreferentin in der Linksfraktion und trat der Partei etwas später bei. Seit 2021 sitzt sie im Abgeordnetenhaus und engagiert sich unter anderem gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. In innerparteilichen Kontroversen hielt sie sich oft zurück.

Ende 2025 nominierten die Parteigremien Eralp als Spitzenkandidatin; in der Berliner Linken gilt sie als Konsenskandidatin, die unterschiedliche Strömungen zusammenführen kann.

Kristin Brinker (AfD)

Die AfD zieht zum dritten Mal in Folge mit Kristin Brinker als Spitzenkandidatin in das Rennen. Brinker, Jahrgang 1972, sitzt seit 2016 für die Partei im Abgeordnetenhaus und war zeitweise Stellvertreterin des Fraktionsvorsitzenden.

Geboren in Sachsen‑Anhalt, zog Brinker nach der Wiedervereinigung nach Berlin. Sie arbeitete als Anlageberaterin, absolvierte eine Bankausbildung, studierte später Architektur an der Technischen Universität und promovierte. Beruflich war sie lange in der Hausverwaltungs‑ und Baubetreuung tätig.

Innerhalb der AfD galt Brinker anfänglich als Vertreterin eines liberal‑bürgerlichen Flügels; unter ihrer Führung ist jedoch der Einfluss rechtsextremistischer Strömungen in Berlin gewachsen. Medienberichten zufolge bestanden auch Kontakte zu Personen aus der rechtsextremen Szene.

Christoph Meyer (FDP)

Die FDP setzt auf Christoph Meyer als Spitzenkandidaten. Meyer ist Landesvorsitzender und wurde mit großer Mehrheit auf Listenplatz 1 gewählt. Ziel der Liberalen ist die Rückkehr ins Abgeordnetenhaus nach dem Scheitern an der Fünf‑Prozent‑Hürde 2023.

Meyer, 1975 geboren, ist Jurist und langjähriges FDP‑Mitglied (seit 1993). Er war bereits von 2002 bis 2011 Abgeordneter im Berliner Landesparlament und führte zwischen 2009 und 2011 die FDP‑Fraktion. Zuletzt vertrat er die Partei von 2017 bis 2025 im Bundestag.

Als Spitzenkandidat folgt Meyer auf Sebastian Czaja, der die Partei in früheren Landeswahlkämpfen angeführt hatte und die FDP inzwischen verlassen hat.

Alexander King (BSW)

Die neu gegründete BSW tritt erstmals zur Abgeordnetenhauswahl an und nennt Alexander King als Spitzenkandidaten. King ist zugleich Landesvorsitzender und steht auf Platz 1 der Landesliste.

Der 1969 in Tübingen geborene King kam 2001 nach Berlin, war lange in der PDS beziehungsweise Linken aktiv, arbeitete als Referent der Linksfraktion im Bundestag und führte auf Bezirks‑ebene. Seit Dezember 2021 ist er mit Unterbrechungen Mitglied des Abgeordnetenhauses; Ende 2023 verließ er die Linke und schloss sich dem BSW an.

In Berlin tritt King als Doppelspitze an, gemeinsam mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Michael Lüders, der auf Druck von Ex‑Parteichefin Sahra Wagenknecht auf die Landesliste gesetzt wurde.

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