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Eine neue Schau in den Gebäuden des ehemaligen Flughafens Tempelhof rückt die Verflechtungen der Lufthansa mit dem NS-Regime in den Fokus. Die Ausstellung beleuchtet, wie das einst als ziviles Unternehmen gestartete Luftfahrtunternehmen in der Zeit von 1926 bis 1945 Teil der Kriegs- und Ausbeutungsmaschinerie wurde.
Was die Ausstellung zeigt
Die Präsentation erklärt die Entwicklung der Lufthansa für ein breiteres Publikum. Großformatige Tafeln, Zeitachsen und Fotografien machen technische, institutionelle und persönliche Verbindungen sichtbar.
- Diagramme und Zeitstrahlen, die Firmengeschichte und politische Ereignisse verknüpfen
- Fotodokumente von Tempelhof, Werkstätten und Mitarbeitern
- Erläuterungen zur Rolle der Firma in Rüstungsprojekten und zur Nutzung von Zwangsarbeit
Vom zivilen Anbieter zur Unterstützung der Aufrüstung
Offiziell war die Lufthansa in den 1920er-Jahren als zivile Fluggesellschaft gegründet worden. Die Ausstellung zeigt jedoch, dass Teile der technischen Arbeit frühzeitig auf militärische Zwecke ausgerichtet waren und damit zur Wiederbewaffnung beitrugen.
In den späten 1930er-Jahren prägte der monumental geplante Terminalbau von Ernst Sagebiel das Bild von Tempelhof. Parallel dazu wuchs die enge Zusammenarbeit zwischen der Firma und staatlichen Militärstellen. Die Schau dokumentiert, wie Luftfahrttechnik und Unternehmensstrukturen instrumentalisiert wurden, um die Luftstreitkräfte zu stärken.
Politische Nähe: Göring, Milch und die Erwartung an die Luftfahrt
Führungspersonen aus Politik und Militär standen in engem Austausch mit der Luftfahrtindustrie. Hermann Göring, der ab 1935 die Oberbefehlsherschaft über die Luftstreitkräfte innehatte, propagierte die Idee einer nationweiten Fliegerkultur. Die Ausstellung ordnet diese Vorgaben in die wirtschaftlichen Beziehungen jener Jahre ein.
Gleichzeitig wird die Biografie von Personen wie Erhard Milch thematisiert: Sein beruflicher Aufstieg spiegelt die Verflechtung von Firmenleitung und militärischer Verwaltung. Zeitgenössische Publikationen, darunter internationale Magazine, illustrieren diese Karrieren.
Zwangsarbeit und Produktionsbedingungen
Die Schau macht deutlich, dass der Flughafen und seine Hangars während des Krieges auch Produktionsstätten waren. Dort fertigten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Rüstungsgüter; ihre Wohn- und Arbeitsbedingungen sind Teil der präsentierten Dokumentation.

Nachkriegsnarrativ und Forschungslücken
Nach 1945 wurde die Lufthansa neu gegründet; das Unternehmen verlegte sein Hauptquartier nach Köln. In der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit dominierte lange eine Darstellung, die die dunklen Kapitel weitgehend ausklammerte.
Die Ausstellung thematisiert auch, dass interne Aufarbeitungen in Teilen erst verspätet oder nur eingeschränkt öffentlich wurden. Auf diese Weise soll die Schau zum Nachdenken über Erinnerungskultur und Unternehmensverantwortung anregen.
Ort und Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Lufthansa. Berlin-Tempelhof 1926–1945“ befindet sich im THF Tower, Tempelhofer Damm 45, Tempelhof. Sie ist mittwochs bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen und läuft bis zum 28. Juni 2027. Die Räume liegen eine Etage unter der öffentlich zugänglichen Dachplattform des Gebäudes. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Veranstalter.











