BBI-Betreiber: Unabhängige Parallelstarts bleiben – Flugrouten werden maßgeschneidert

Für die Betreiber ist eigentlich alles klar. Einen Stopp des Flughafenprojektes BBI gibt es nicht und auf unabhängige Parallelstarts wird man aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht verzichten. In diesem Fall würde der neue Airport in der Spitzenzeit hinter die derzeitigen Kapazitäten von Tegel und Schönefeld zurückfallen.

Derzeitig finden in Schönefeld und Tegel 50 Starts pro Stunde statt. 20 davon entfallen auf den Flughafen Schönefeld, 30 auf den Flughafen Tegel.

Laut Betreiber wären bei einem abhängigen Parallelbetrieb auf dem BBI in der Spitzenstunde aufgrund der in Deutschland geltenden Vorschriften (Separationsregeln) maximal 40 Starts möglich. Damit fiele der BBI hinter die gegenwärtig verfügbaren Startkapazitäten zurück.

Ohne unabhängige Parallelstarts kein Wachstum

Die aktuellen von den Berliner Flughäfen mit ihren Airline-Kunden abgestimmten Planungen ergeben bereits für das Eröffnungsjahr des BBI eine Marktnachfrage von 49 Starts in der Spitzenstunde. In den Folgejahren wird die Nachfrage für Starts in den Spitzenstunden weiter steigen.

Entscheidend für die weiteren Wachstumsmöglichkeiten des Berlin-Brandenburger Luftverkehrs sind die so genannten Spitzenstunden. Diese liegen nach derzeitigem Planungsstand der Berliner Flughäfen bis zum Jahr 2015 in der Morgenstunde von 8 bis 9 Uhr sowie in der Abendstunde von 20 bis 21 Uhr – und nicht etwa in den für die Lärmbetrachtung sensibleren Tagesrandzeiten von 22 bis 24 Uhr und von 5 bis 6 Uhr. Ab 2015 rechnen die Berliner Flughäfen aufgrund des zu erwartenden Verkehrswachstums mit dem Auftreten einer dritten Spitze in der Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr. Das wird man allerdings erst wissen, wenn es soweit ist.

Um das den Planungen zugrunde liegende Verkehrsaufkommen von 360.000 Flugbewegungen mit einem Zweibahnsystem bewältigen zu können, ist es erforderlich, dass die beiden Bahnen unabhängig voneinander betrieben werden müssen.

Würden die Berliner Flughäfen für die Spitzenstunden entgegen der seit 1996 verfolgten und bereits letztinstanzlich genehmigten Planung auf einen Parallelbetrieb auf dem BBI verzichten, müsste Luftverkehr in nennenswerter Größenordnung abgewiesen werden. Insbesondere sind die für die Region so wichtigen Langstreckenflüge auf den Aufbau von Verkehrsknoten angewiesen. Derartige Verkehrsknoten baut derzeit bereits die Air Berlin in ihrem Drehkreuz auf. Verkehre in solchen Spitzenzeiten können nur über unabhängige Parallelstarts abgewickelt werden.

Dies bedeutet, es wird früher oder später wohl einen abhängigen Parallelbetrieb in Schönefeld geben. Was die Berliner Flughäfen zusichern ist jedoch eine Diskussion und demzufolge eine Änderung der Flugrouten. Dabei setzen die Betreiber voraus, dass sich die Routenplanung an der generellen Flughafenplanung orientiert. Auf keinen Fall aber umgekehrt. Die aktuelle Flugroutendiskussion will man nicht als Flughafendiskussion geführt wissen.

Betreiber setzen auf maßgeschneiderte Flugroutenlösungen

Laut Berliner Flughäfen ist die Grundvoraussetzung zum unabhängigen Betrieb paralleler Start- und Landebahnen gemäß der Vorgaben der internationalen Luftverkehrsorganisation ICAO ein Achsabstand zwischen beiden Bahnen von 1.035 m. Der BBI erfüllt diese Voraussetzung mit einem Achsabstand beider Bahnen von 1.900 m deutlich.

Die Deutsche Flugsicherung verweist darauf, dass die Abflugrouten paralleler Abflüge – also gleichzeitiger Abflüge auf parallelen Startbahnen – nach dem Start um mindestens 15 Grad divergieren müssen.

An anderen großen deutschen Flughäfen setzt die Deutsche Flugsicherung diese Vorschriften mit einem ganzen Bündel maßgeschneiderter Routenführungen um, die den spezifischen Anforderungen vor Ort (Sicherheit, Lärmschutz, Kapazität) Rechnung tragen.
Eine solche maßgeschneiderte Flugroutenlösung benötigen die Berliner Flughäfen auch für den neuen Flughafen BBI. Aus Sicht der Berliner Flughäfen schließen sich Optimierungen des Lärmschutzes der Flughafenanwohner und wirtschaftlicher Betrieb des Flughafens nicht aus.

Wie eine Optimierung aussehen könnte, darüber dürfte wohl in den kommenden Wochen noch hinreichend diskutiert werden.


Foto: Günter Wicker (Photur) / Berliner Flughäfen

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