WWF und Heinrich-Böll-Stiftung: Ein Drittel aller Lebensmittel landen im Müll
Berlin – WWF und Heinrich-Böll-Stiftung bezweifeln die Angaben der Welternährungsorganisation FAO zur Zukunft der Ernährungssicherheit. Laut FAO-Prognosen müssten bis 2050 rund 70 Prozent mehr Lebensmittel produziert werden, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.
Hinterfragt hat diese Zahl von 70 Prozent bislang niemand. „Es heißt immer: Wir müssen einfach mehr produzieren, dann lösen wir das Problem schon“, kritisiert Matthias Meißner, Agrarexperte beim WWF Deutschland. „Dabei wäre es das Sinnvollste, erst einmal die Lebensmittelverschwendung in den Griff zu bekommen.“
Aufgrund erster Analysen gehen der WWF und die Heinrich-Böll-Stiftung davon aus, dass die Produktivitätssteigerung sehr viel geringer ausfallen könnte – vorausgesetzt, die Nahrungsmittel werden gerechter und effizienter genutzt. Dazu gehört auch, dass die so genannten Nachernteverluste drastisch verringert werden. Derzeit landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Ursache sind fehlende Kühlmöglichkeiten, schlechte Transportketten, falsche Einkaufsplanung im Einzelhandel und Wegwerfmentalität bei Verbrauchern.
Außerdem gehen Böll Stiftung und WWF davon aus, dass die Industrieländer mit einer Verringerung des Fleischkonsums zur Stabilisierung der Welternährung beitragen und die Verschwendung natürlicher Ressourcen reduzieren könnten.
„Mit jedem verdorbenen Kilo Reis, Fleisch oder jedem Becher Joghurt, den wir aus Unachtsamkeit in den Mülleimer schmeißen, vergeuden wir kostbare Ressourcen, wie Wasser, Boden und Dünger“, sagt Christine Chemnitz, agrarpolitische Referentin bei der Heinrich-Böll-Stiftung. „Erst müssen wir effizienter mit unseren Lebensmitteln umgehen, bevor wir einem Mehr in der Produktion das Wort reden.“ Mehr Pestizide, mehr Monokulturen, mehr industrielle Landwirtschaft seien das falsche Rezept.
In einer Studie der Universität Hohenheim im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung und des WWF werden die FAO-Prognosen unter die Lupe genommen und Alternativen berechnet. Die Studie erscheint im April.
Empfehlen Sie diesen Artikel
TweetKommentar schreiben
Kommentieren Sie den Artikel! Bitte füllen Sie alle Felder aus!



