Carlfriedrich Claus – Geschrieben in Nachtmeer
Die Akademie der Künste zeigt eine umfassende Werkschau des Künstlers und Philosophen Carlfriedrich Claus (1930-1998). Claus’ Werk entfaltet sich zwischen Poesie, Zeichnung, Grafik und Akustischem in Sprache und Ton.
Claus lebte zurückgezogen bis 1993 in Annaberg, dann in Chemnitz. Als Zeichner, Schreiber und Denker hat Carlfriedrich Claus die deutsche Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt. Mit zirka 250 Exponaten stellt die Akademie-Ausstellung, eine Kooperation mit den Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv, die geistige und formale Komplexität von Claus’ Werk vor und verdeutlicht sein transdisziplinäres Arbeits- und Lebensprinzip. Im Zentrum steht eine Auswahl der „Sprachblätter“, einseitige und beidseitige Zeichnungen, die den eigentlichen Kern von Claus’ Werk bilden. Weiterhin werden auch Zeichnungen aus dem Automatischen Tagebuch und der Zyklus Geschichtsphilosophisches Kombinat gezeigt sowie das druckgrafische Hauptwerk Aurora zusammen mit einer Auswahl von Experimental- und Probedrucken. Erstmals werden die frühen experimentellen Fotografien zu sehen sein, die Claus in jungen Jahren aufgenommen hat. Den Abschluss bildet die Rekonstruktion des Lautprozess-Raums, den der Autor 1995 zum ersten Mal in den Kunstsammlungen Chemnitz einrichtete.
Carlfriedrich Claus war ein Grenzgänger. Arbeit verstand er als unermüdliches Experiment und erforschte die Medien in ihren inneren Zusammenhängen, ihrer Herkunft und anthropologischen Bedeutung. In linearem Duktus zeichnete Claus seine „Sprachblätter“, die sowohl Bild als auch Text sind. Mit ihnen reagiert er unter anderem auf die jüdische Mystik, Naturwissenschaft, Kybernetik und auf zeitbezogene Ereignisse. Seine geschichtsphilosophischen Überlegungen orientierten sich an nach Ganzheitlichkeit strebenden Weltmodellen zwischen Paracelsus, Marx und Ernst Bloch. Aus seiner utopisch-kommunistischen Grundhaltung hat Claus nie ein Hehl gemacht. Lange war er in der DDR künstlerisch isoliert und politisch verdächtig. Dennoch war seine Werkstatt seit den 1950er Jahren ein Gravitationszentrum europäischer intellektueller Kräfte. 1991 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste (West) berufen.
Serviceinfo
Termin: 08. April bis 05. Juni 2011
Ort: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin Stadtplan >>
Öffnungszeiten: Di – So 11 bis 20 Uhr, Ostermontag 25.04. geöffnet
Preis: 6 Euro/ erm. 4 Euro; bis 18 Jahre und am 1. Sonntag im Monat Eintritt frei
Foto: László Tóth, Chemnitz © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
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