Die Ernst Jandl Show
Im Literaturhaus Berlin inszeniert Ernst Jandl (1925-2000) noch einmal einen seiner starken Auftritte: Knapp dreieinhalb Jahrzehnte begeisterte Jandl, fast wie ein Popstar, ein großes Publikum über Generationen und Sprachgrenzen hinweg. Begonnen hatte alles am 11. Juni 1965 in der Londoner Royal Albert Hall, als der damals in England nahezu unbekannte Dichter aus Österreich die Menge zum Toben brachte.
Jandl war ein leidenschaftlicher Jazzfan, jahrelang arbeitete er mit Dieter Glawischnig und der NDR Bigband, mit dem „Vienna Art Orchestra“, mit dem Akkordeonisten Erich Meixner und dem Organisten Martin Haselböck zusammen – und bereitete seine Auftritte intensiv vor: manchmal akribisch bei hackendem Metronom, oftmals lustvoll improvisierend. Die Vielsprachigkeit und Vielstimmigkeit seiner Texte, das Spektrum aus Alltagssprache, Englisch, Dialekt und „heruntergekommener Sprache“ war Programm, war „fortwährende Realisation von Freiheit“. Jandls Texte wollen laut gelesen, sie wollen auch gesehen werden: als visuelle Dichtungen, als Schriftzeichnungen, als Partituren zu Hörspielen und als Textcollagen, wie sie der schier unerschöpfliche Nachlaß enthält.
Jandls Auftrittskunst steht nun erstmals im Mittelpunkt der Ausstellung, die anläßlich seines 10. Todestages und seines 85. Geburtstages im vergangenen Winter im Wien Museum zu sehen war – ausgestattet mit kostbaren „Requisiten“ aus der „literaturarchivlichen Asservatenkammer“, doch vor allem mit so noch nie zusammengetragenen Ton- und Filmraritäten.
Serviceinfo
Termin: 14. Mai – 17. Juli 2011
Öffnungszeiten: Di bis So, Feiertag 11-19 Uhr
Ort: Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin Stadtplan >>
Eintritt: 5/ erm. 3 Euro (inklusive Audioguide)
Foto: Ernst Jandl, 1984 © ullstein bild – Imagno
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