Krawallnacht in Kreuzberg: Polizei unter Zwillenbeschuss – 33 Festnahmen
Die Demonstration, die unter dem Motto “Rache für Carlo“ an einen 2001 im italienischen Genua erschossenen Globalisierungsgegner erinnern sollte, mündete am Samstag wie erwartet in Gewaltausbrüchen.
Eine friedliche Demonstration sieht anders aus. Den Ankündigungen der Organisatoren zu folge, ging es bei dieser unangemeldeten Kundgebung auch nicht unbedingt darum, gewaltfrei dem toten Carlo Giuliani zu gedenken. Wenn also Krawalle das Ziel waren, so haben die Veranstalter erreicht, was sie wollten.
In der Nähe des Görlitzer Parks und des Lausitzer Platzes hielten sich ab 22.00 Uhr mehrere hundert Personen der linksextremen Szene auf. Auf ein Signal hin zogen die Protestler mit angelegter Vermummung in Richtung Eisenbahnstraße.
Im Zuge der Demonstrationen kam es zu ersten Rangeleien und Verbalattacken gegen Polizisten. Daraufhin schritten Einsatzkräfte der Polizei ein und grenzen mit ihrem Aufgebot den Demonstrationszug stark ein. Daraufhin wurden die Beamten massiv mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern attackiert.
Der angekündigten Taktik der Demonstranten folgend, musste die Polizei geplante Gewalttätigkeiten an variablen Treffpunkten und Sammelstellen rund um den Heinrich- und Mariannenplatz unterbinden. Dabei nutzte die Polizei die Strategie der gezielten Durchmischung. Trotz immer wieder neu ansetzender Gewaltwellen mit Stein- und Flaschenwürfen auf die Beamtinnen und Beamten konzentrierten sich die angegriffenen Einsatzkräfte auf die Rädelsführer und ihre Mittäter. Die Polizei setzte Platzverweise durch und verhinderten so größere Sachbeschädigungen an Baustellen, Häusern und geparkten Fahrzeugen.
Gegen Mitternacht musste die Feuerwehr brennende Müllcontainer und Gerümpel auf einem benachbarten Gelände eines Szeneobjekts in der Köpenicker Straße löschen. Die Löscharbeiten sichernden Polizeibeamten wurden währenddessen aus der Dunkelheit mit Steinen beworfen.
Im Bereich des südlichen Mariannenplatzes wurden Polizisten gegen 24.00 Uhr mit einem Brandsatz beworfen. Sie blieben jedoch unverletzt. Nahe einer Wagenburg am Bethaniendamm kam es zu einem gezielten mutmaßlichen Zwillenbeschuss mit Hartgeschossen, der zwar die anvisierten Beamten verfehlte, jedoch erhebliche Schäden und Zerstörungen an schützenden Einsatzfahrzeugen hinterließ.
Insgesamt 34 der eingesetzten 500 Polizistinnen und Polizisten wurden durch Gewalttäter verletzt, darunter sind auch erlittene Knalltraumata. Im Zuge des Einsatzes nahmen die Beamten 33 Personen fest, von denen 25 in das Zentralgewahrsam eingeliefert und nach erfolgten kriminalpolizeilichen Maßnahmen entlassen wurden.
Die Ermittlungen zu den insgesamt 37 eingeleiteten Verfahren wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz dauern an. Ein festgenommener 20-jähriger Tatverdächtiger, dem schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen wird, soll noch am Sonntag einem Bereitschaftsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.
Foto: Archiv
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