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In Venedig haben selbsternannte Jäger von Taschendieben die Stadtbühne betreten – und ihre Aktionen sorgen für Alarm bei Behörden und Bürgern. Die mobilen Konfrontationen werden gefilmt, ins Netz gestellt und erreichen teilweise Hunderttausende Aufrufe. Für die Stadtverwaltung ist klar: Das darf nicht in Selbstjustiz ausarten.
Rufe, Verfolgungsjagden und fliegende Gegenstände sind inzwischen keine Einzelfälle mehr. Mehrere Videos zeigen Menschen, die mutmaßliche Diebe stellen; einige Verdächtige werden mit Wasser oder Farbe besprüht. Was als digitale Jagd inszeniert wird, kann leicht in gefährliche Situationen umschlagen.
Wie die Einsätze ablaufen
Reporterähnliche Gruppen suchen gezielt Touristenzonen nach möglichen Taschendieben ab. Sobald Verdächtige erkannt werden, rufen sie laut „Pickpocket“ und folgen ihnen mit der Kamera. Die Szenen entstehen an Plätzen, in engen Gassen und an den stark frequentierten Haltestellen der Vaporetti.
Die Bilder landen anschließend online. Manche Clips erzielen große Reichweiten und verbreiten sich schnell über soziale Medien. Behörden befürchten deshalb, dass das Verhalten der Verfolger die Lage vor Ort weiter anheizt.
Bekannter Akteur und eskalierende Zwischenfälle
Im Zentrum der Berichte steht der 45-jährige Youtuber, der unter dem Namen Mervin D. Hunter auftritt. Nach Angaben in den vorliegenden Informationen ist er philippinischer Staatsbürger und lebt seit etwa einem Jahr in Rom. Begleitet wird er von zwei britischen Videomachern. Gemeinsam dokumentieren sie Einsätze gegen mutmaßliche Taschendiebe.
Die Konfrontationen sollen mitunter aggressiver werden. In einem kürzlichen Fall setzten die Beteiligten eine Sprühpistole ein. Es kam zu Gegenständenwürfen, und offenbar wurde auch Pfefferspray verwendet. Die Situation eskalierte so weit, dass die Stadtpolizei einschreiten musste.
Teilweise enden die Auseinandersetzungen nicht nur mit dem mutmaßlichen Täter, sondern ziehen auch Unbeteiligte in Mitleidenschaft. Diese Verflechtung von Videoinszenierung und realer Gefahr erhöht den Druck auf die Einsatzkräfte.
Verwaltung fordert klare Grenzen
Venezias Bürgermeister Simone Venturini verurteilt die Aktionen deutlich. Er kritisiert, dass viele der Videos vor allem auf Klicks und Likes abzielen und dabei Ordnung und Image der Stadt beschädigt würden. „Das ist nicht der Weg, das Problem zu lösen“, sagte Venturini und bezeichnete die Einsätze als eine Form von Selbstjustiz.
Gleichzeitig verweist die Stadt auf polizeiliche Maßnahmen. Die venezianische Stadtpolizei hat den Angaben zufolge seit Jahresbeginn 75 mutmaßliche Taschendiebe festgenommen. Venturini äußerte jedoch Zweifel, wie viele der Festgenommenen tatsächlich längerfristig Konsequenzen trügen: „Wie viele sind im Gefängnis? Ich würde sagen – wahrscheinlich niemand.“
Als Reaktion plant die Stadt höhere Präsenz der Einsatzkräfte und will bis zum Jahresende 50 zusätzliche Polizisten einstellen. Taschendiebstähle gelten in Venedig seit Jahren als anhaltendes Problem, besonders an touristischen Brennpunkten wie der Rialtobrücke und dem Markusplatz sowie in den überfüllten Wasserbussen.











