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Ein US-Biotechunternehmen hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Mittels Gentechnik sollen Merkmale des ausgestorbenen Wollhaarmammuts in lebenden Elefanten nachgebildet werden. Das Vorhaben weckt nicht nur wissenschaftliche Neugier, sondern auch grundlegende ethische und ökologische Fragen.
Was Colossal Biosciences plant
Das Unternehmen Colossal Biosciences verfolgt die sogenannte De-Extinction—die Wiederherstellung ausgestorbener Arten durch moderne Biotechnologie. Auf der Liste stehen neben dem Wollhaarmammut auch Arten wie der Beutelwolf und der Dodo. Colossal nennt als Ziel, bis Ende 2028 ein Tier zu erzeugen, das einem Wollhaarmammutkalb ähnelt oder diesem nahekommt.
Dabei geht es dem Unternehmen nach eigenen Angaben nicht allein um ein spektakuläres Experiment. Colossal betont, dass sich die Forschungsergebnisse auch für den Schutz der verbliebenen Biodiversität nutzen lassen sollen.
Die Methode: Gen-Editierung statt klassischem Klonen
Ein echtes Klonen eines Wollhaarmammuts ist nach heutigem Stand nicht möglich. Um ein genetisch identisches Tier zu schaffen, bräuchte man intakte Zellen mit vollständigem Erbgut. Solche Proben existieren nicht: Das Erbgut aus Mammutfunden ist über Jahrtausende chemisch verändert und fragmentiert.

Stattdessen setzt Colossal auf gezielte Veränderungen im Genom des lebenden Asiatischen Elefanten, der dem Mammut genetisch am nächsten steht. Mit der Genschere CRISPR werden Abschnitte des Elefantengenoms so modifiziert, dass sie bestimmten, aus Fossilien rekonstruierten Mammut-Genen ähneln.
Das Ergebnis wäre kein originalgetreues Mammut. Eher entsteht ein genetisch veränderter Elefant mit einigen mammutähnlichen Merkmalen – etwa dichterem Fell oder einer dickeren Fettschicht, die Kälteresistenz liefern könnten.
Wissenschaftliche Grenzen und frühere Erfahrungen
Die Beschränkungen der Ausgangsmaterialien schränken die Ambitionen deutlich ein. Forscher können aus den Überresten nur Teile des Mammutgenoms rekonstruieren, nicht das vollständige Erbgut.
Ein vergleichbares Vorgehen hatte im Jahr 2024 bereits Schlagzeilen gemacht: Colossal gab bekannt, eine ausgestorbene Form des sogenannten „Riesenwolfs“ wiederhergestellt zu haben. Kritikern zufolge handelte es sich dabei jedoch um genetisch veränderte Grauwölfe, die äußerlich alte Merkmale zeigten, ohne tatsächlich dieselbe ausgestorbene Art zu sein.
Der Paläogenetiker Nic Rawlence von der University of Otago fasste die Skepsis so zusammen: „Nur weil es wie eine Ente aussieht, wie eine Ente quakt und wie eine Ente läuft, ist es noch lange keine Ente.“
Ökologische Relevanz und Tierwohl
Ein zentrales Argument gegen das Projekt betrifft den praktischen Nutzen: Eigenschaften, die Mammuts in der Eiszeit halfen, sind heute nicht zwangsläufig vorteilhaft. Das Klima wird wärmer, und die ehemals ausgedehnten Tundra- und Steppenräume existieren in ihren ursprünglichen Formen kaum noch.

Gleichzeitig werfen Tierethiker und Naturschützer Fragen zum Wohl der Tiere auf. Unklar ist, wie genetisch veränderte Elefanten sozial eingegliedert würden, welche Haltungsbedingungen sie bräuchten und ob eine Auswilderung realistisch wäre. Kritiker befürchten Leiden durch unvorhergesehene Folgen genetischer Eingriffe und durch künstliche Lebensbedingungen.
Kritik an Prioritäten und Kommunikation
Mehrere Wissenschaftler halten die Mittel für fehlgeleitet. Sie argumentieren, die Ressourcen sollten für den Schutz heute bedrohter Arten verwendet werden, die akut vom Aussterben bedroht sind.
Darüber hinaus werfen Gegner Colossal vor, die Möglichkeiten der Technologie übertrieben darzustellen, um Aufmerksamkeit und Investoren anzuziehen. Vincent Lynch, Biologieprofessor an der University at Buffalo, kritisiert gegenüber dem NPR: „Sie führen eine Desinformationskampagne durch, die darauf abzielt, positive und kostenlose Öffentlichkeitsarbeit zu generieren, um die Kapitalbeschaffung für die Biotech-Entwicklung voranzutreiben.“











