Droht Berlins Offenheit im Volksbad zu versinken?

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Ein freier, kostenloser Schwimmnachmittag im neuen Volksbad der Volksbühne ist abgesagt worden, nachdem die Ankündigung massiven Gegenwind ausgelöst hatte. Die Absage wirft Fragen auf: Wie sicher sind offene, niedrigschwellige Räume in Berlin noch — und für wen?

Vor genau einer Woche eröffnete das provisorische Volksbad auf dem Gelände der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die Aktion begleitet die Intendanz von Matthias Lilienthal und sollte als offener Ort ohne Ausweiskontrolle Besucherinnen und Besuchern frei zugänglich sein — inklusive einer einfachen Imbissversorgung.

Konzept: offen, solidarisch, gezielt

Das Volksbad versteht sich nicht nur als Freizeitangebot, sondern als politische und soziale Intervention. Zwischen dem 7. August und dem 1. Oktober ist das Bad grundsätzlich für alle geöffnet; an bestimmten Nachmittagen sind Plätze gezielt für soziale Träger reserviert. Ziel ist es, Menschen, die im Alltag strukturell benachteiligt werden, unbeschwerten Zugang zu Freizeit zu ermöglichen.

Offenes Schwimmbad als Ort für vielfältige Gemeinschaft
Das Volksbad versteht sich als offener Raum für alle Berliner*innen.

So war für den heutigen Freitag von 12 bis 18 Uhr der Verein Each One Teach One (EOTO) e. V. eingeplant. Der Verein organisiert in Berlin seit Jahren Projekte für Schwarze Jugendliche. Andere Termine sind etwa für die Straßensozialarbeit von Gangway e. V. vorgesehen.

Auslöser: öffentliche Empörung und Drohungen

Nachdem die Veranstaltung in sozialen Medien publiziert wurde, formierte sich Protest. Eine junge CDU-Kommunalpolitikerin kritisierte in einem Video, sie fühle sich als weiße Person diskriminiert. Boulevard- und Online-Medien griffen die Debatte auf, und die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel sprach von „Apartheid“ und forderte den Entzug von Fördermitteln für die Volksbühne.

Symbole für Online-Hetze und digitale Konflikte in sozialen Medien
Die Ankündigung löste eine bundesweite Debatte aus.

Nach Angaben von EOTO führten die Berichterstattung und die anschließende Online-Hetze zu einer Flut an Droh- und Hassnachrichten. Der Verein begründete seine Absage damit, dass die bundesweite, zumeist polemische Berichterstattung ein Klima geschaffen habe, in dem die physische und psychische Sicherheit der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen nicht gewährleistet werden könne. Die exponierte Lage des Schwimmbeckens erschwere zudem den Schutz der Persönlichkeitsrechte und eine sichere An- und Abreise.

Reaktion der Volksbühne

Die Volksbühne schrieb, man habe unterschätzt, dass ein für Schwimmbäder übliches Praxisformat — zeitlich begrenzte Angebote für bestimmte Gruppen — zu einer bundesweiten Welle von anti-schwarzem Rassismus und Hetze führen würde. Gleichzeitig kündigte das Haus an, die Zusammenarbeit mit sozialen Trägern fortsetzen zu wollen.

Konkrete Folgen

Das Ergebnis: Bei strahlendem Sommerwetter blieb das Volksbad am abgesagten Nachmittag geschlossen. Die Kinder und Jugendlichen, für die das Angebot gedacht war, konnten nicht teilnehmen — aus Sorge um ihre Sicherheit.

Warum das wichtig ist

Die Episode zeigt auf mehreren Ebenen Bedeutung: Erstens macht sie deutlich, warum gezielte Angebote überhaupt nötig sind. Zweitens wirft sie ein Licht auf die Fragilität offener Räume, wenn politische Akteure und mediale Dynamiken Sicherheitsbedenken produzieren.

In einer Stadt, die sich als tolerant und vielfältig präsentiert, reichte hier die Ankündigung einer kostenlosen Freizeitveranstaltung für Schwarze Kinder, um eine Debatte auszulösen, die am Ende zum Entzug dieses Angebots führte. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen für das Vertrauen zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen, kulturellen Institutionen und den Menschen, die auf solche Angebote angewiesen sind.

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