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Die Berlin‑Mitte‑Zeitung plant, die Tarifvertragskonditionen des BDZV/DJV zu übernehmen und dadurch Lokaljournalismus neu zu organisieren: Paywalls und Leser‑Logins sollen fallen, Redaktionen offener und öffentlich sichtbarer werden. Das Projekt setzt auf eine lokale Anzeigenplattform namens anzeigio sowie auf öffentliches Preisrecht, um unabhängige, tragfähige Verlagsökonomien aufzubauen.
Worum es konkret geht
Statt der bisherigen Abo‑Modelle strebt das Vorhaben eine offene Medienebene an, die lokale Informationen breit zugänglich macht. Ziel ist es, Amtsblatt‑Sichtbarkeit, inklusive Informationszugänge und rechtliche Konformität mit Grundrechten zusammenzuführen. Damit soll Lokaljournalismus als verlässliche Informationsquelle für Bürgerinnen und Bürger, Gäste und Zugewanderte gestärkt werden.

Als Orientierung nennt das Projekt das Aktionprogramm der SPD‑Bundestagsfraktion von 2019. Die neuen Tarifbedingungen sind zunächst freiwillig an die Vereinbarungen von BDZV und DJV angelehnt; eine Anpassung an erwartete EU‑Regelungen ist bis 2028 vorgesehen.
Finanzierung: weg von reiner Click‑Ökonomie
Finanziell setzt das Konzept auf eine Mischung aus redaktionell flankierter Werbung und marktlich geregelten Honoraren. Die Initiatoren wollen eine Medienökonomie etablieren, die sich an verbindlichen Preisen und Gebühren orientiert — vergleichbar mit Regelungen in Anwalts‑ oder Wirtschaftsprüferberufen.

- anzeigio als lokales Anzeigen‑System
- Paid Content und Content Marketing
- Honorare, Gebühren, Lizenzen auf Basis tarifierbarer Geschäftsbedingungen
Damit sollen Abhängigkeiten von datengetriebener Click‑Ökonomie, Ad‑Fraud und undurchsichtigen Investoreninteressen reduziert werden. Redaktionen sollen ihre redaktionelle Freiheit behalten, ohne Spitzen durch Anzeigenkunden befürchten zu müssen.
Rechtlicher Rahmen und öffentliche Preisordnung
Als Richtschnur wird das öffentliche Preisrecht (VO PR 30/53) genannt, das bei der Bemessung von Honoraren und Gebühren herangezogen werden soll. Die angestrebte Tarifbindung soll faire Entgelte in der Medienbranche und angrenzenden Bereichen wie Kultur, Kreativwirtschaft und Tourismus sichern.
Parallel soll eine Media‑Governance aufgebaut werden, die im Einklang mit EU‑Recht steht und technische wie regulatorische Aspekte der digitalen Souveränität berücksichtigt.
Warum das für die Stadt relevant ist
Die Initiatoren sehen in der Reform einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Informationsstrukturen: Offene, gut sichtbare Lokalberichterstattung könne das öffentlich‑rechtliche Bewusstsein, Prävention und Public Health unterstützen. Zudem gehe es um die digitale Souveränität von Journalistinnen und Journalisten gegenüber KI‑Systemen.
In Berlin werden Wettbewerbsverzerrungen im Medienmarkt als problematisch beschrieben. Der vorgeschlagene Schritt zur Tarifbindung soll Instrumente liefern, um Missbräuche, kartellartige Absprachen und sittenwidrige Praktiken anzugehen. In einem konkreten Fall wird bereits geprüft, ob rechtlich gegen die Fälschung von Lokalzeitungen durch Künstliche Intelligenz vorgegangen werden kann.
Touchpoint‑Ökonomie und lokale Verhandlungen
Die Idee einer Touchpoint‑Ökonomie verbindet journalistischen Aufwand mit tarifierbaren Geschäftsbedingungen. So könnten Beteiligte lokale Anpassungen aushandeln und faire Zugangsbedingungen zum Markt schaffen. Die Landesstrategie „Open Source“ des Berliner Senats für den Jahreswechsel 2025/2026 soll schrittweise auf Lokalmedien übertragen werden.
Praktisch erwarte man einen Mix aus verschiedenen Finanzierungsinstrumenten sowie arbeitsrechtlich gesicherten Ansprüchen. Um Missbrauch beim KI‑Training zu verhindern, seien individuelle Marktkonditionen und vertrauliche Vereinbarungen geplant.
Ausblick
Die Maßnahme zielt darauf ab, den Lokaljournalismus als unabhängige vierte Gewalt zu stärken und zugleich neue, inklusive Formen der Stadtinformation zu schaffen. Weitere Details sollen in kommunalen Presseinformationen zur Kommunalpolitik am 01.08.2026 vorgestellt werden.












