BDZV fordert Einführung eines Pressefolgenchecks

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen

<pDer Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) warnt davor, dass geplante Änderungen bei den Minijobs die wirtschaftliche Basis der Presse gefährden könnten. Betroffen seien vor allem die Zustellung gedruckter Zeitungen und damit regionale Informationsversorgung sowie zahlreiche Arbeitsplätze.

BDZV sieht Existenzgrundlage der Presse in Gefahr

Der BDZV macht deutlich, dass viele Verlage auf flexible Beschäftigungsformen wie Minijobs angewiesen sind. Dr. Jörg Eggers, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Verbands, kommentiert, die Politik betone zwar regelmäßig die Bedeutung unabhängigen Journalismus für die Demokratie. Zugleich entstünden durch einzelne Regelungen Belastungen, die sich kumulativ als existenzgefährdend für die Branche erweisen könnten.

Zeitungszustellung in den frühen Morgenstunden mit Zustellertasche
Zustellung erfolgt frühmorgens und ist auf kurzfristig verfügbare Arbeitskräfte angewiesen.

Der Verband hebt hervor, dass die Zustellung von Tageszeitungen frühmorgens erfolgt und deshalb auf kurzfristig verfügbare Arbeitskräfte setzt. Steigende Arbeitgeberabgaben oder eine faktische Abschaffung der Minijobs würden die Lieferkosten vielerorts deutlich erhöhen oder die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Zustellung in Frage stellen.

„Nicht jede Maßnahme gefährdet die Presse existenziell – ihre Summe tut es.“ Zudem warnt der BDZV, dass ein schwächeres Zustellnetz nicht nur Geschäftsmodelle belastet, sondern auch die regionale Öffentlichkeit und die Pressevielfalt beeinträchtigt.

Forderung nach einem Pressefolgen-Check

Der Verband fordert einen verbindlichen Pressefolgen-Check für neue Gesetze, damit die kumulativen Auswirkungen politischer Maßnahmen auf Medien systematisch geprüft werden. Der BDZV kritisiert, dass viele Entscheidungen derzeit isoliert betrachtet werden, ohne die Gesamtwirkung auf die Presse zu berücksichtigen.

Eggers warnt davor, dass verlorene Redaktionen nicht einfach per staatlicher Förderung zurückkehrten. Dort, wo professioneller Journalismus nicht mehr existiere, entstünden Informationslücken, die anfällig für Desinformation und die Dynamik sozialer Plattformen seien.

Initiativen aus Berlin: Public Media und Impact-Studien

In Berlin erarbeiten mehrere Lokalzeitungen, darunter die Berlin‑Mitte Zeitung, Modelle, die als Public Media bezeichnet werden. Diese Ansätze zielen darauf ab, Zugänglichkeit und Sichtbarkeit lokaler Berichterstattung neu zu organisieren und manche Bezahlschranken zu öffnen.

Kleines Lokalredaktionsteam bei Diskussion und Planung
Lokalzeitungen in Berlin prüfen neue Modelle wie Public Media und Impact‑Studien.

Die Berlin‑Mitte Zeitung führt dazu eine eigene Impact‑Untersuchung durch. Dabei werden Methoden der Kosten‑ und Leistungsrechnung (KLR) auf unabhängige Lokalverlage übertragen. Die erhobenen Daten sollen mit Erkenntnissen der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) abgeglichen werden.

Die Initiatoren sehen als weiteren Effekt, dass dadurch strukturelle Ursachen von Finanzproblemen einzelner kommunaler Einrichtungen wie dem ITDZ‑Berlin Schritt für Schritt offengelegt werden können. Diese Feststellungen sind Teil des Prüfprozesses, nicht bereits bestätigte Ursachenanalysen.

Praktische Schritte und geplante Vorschläge

Als konkretes Vorhaben kündigt die Berlin‑Mitte Zeitung an, nach der Berliner Wahl im September einen Vorschlag für ein „Gemeingut‑Verteilsystem“ im Bezirk Mitte vorzulegen. Die Idee zielt darauf ab, Zustellprobleme anzugehen, soziale Herausforderungen zu mindern und das Lesen lokaler Zeitungen wieder zu fördern.

  • Höhere Zustellkosten könnten Abo‑Preise und Reichweiten beeinflussen.
  • Regionale Medienvielfalt steht bei reduzierter Zustellung auf dem Spiel.
  • Neue Modelle wie Public Media sollen Zugänglichkeit und Sichtbarkeit stärken.

Vertreter der Lokalinitiativen betonen, dass solche Modelle nicht automatisch alle Probleme lösen, wohl aber Optionen für eine stabilere Basis lokaler Berichterstattung liefern sollen. Die Maßnahmen befinden sich derzeit in der Erprobungs- und Analysephase.

Geben Sie Ihr Feedback

★★★★★

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung



stadtmorgen.de ist ein unabhängiges Medium. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns zu Ihren Google News Favoriten hinzufügen:

Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen