Berliner Geschichte im Musicalformat
Wer an Berlin denkt, denkt an die Goldenen Zwanziger. So kennt man es, so liebt man es, so ist es aber nicht, nicht mehr und es wird nie wieder so sein! Also holen wir es uns zurück in Form eines Bühnenstückes, des Berliner Musicals schlechthin: „Cabaret“.
Geschichte
Die Geschichte ist leichter erzählt, als es die Wirklichkeit je war. Parallel nebeneinander verlieben sich die leichtlebige Nachtclubsängerin Sally Bowles in den erfolglosen amerikanischen Schriftsteller Clifford Bradshaw und der jüdische Obsthändler Schultz in die alternde Zimmerwirtin Fräulein Schneider. Mit dem heraufziehenden Faschismus enden beide Beziehungen tragisch.
Der unaufhaltsame Übergang von der glanzvollen Scheinwelt der Zwanziger in das düstere Zeitalter des Dritten Reiches bot sei jeher viel Stoff für Dramatik, Leidenschaft und Verzweiflung. Zwei von autobiographischen Zügen getragene Liebensgeschichten, verpackt in ein derartig aufreibendes Szenario, gaben möglicherweise den Ausschlag für die überaus erfolgreiche Vorgeschichte dieser Erzählung.
Was nämlich der englische Schriftstellers Christopher Isherwood auf Grundlage seines Berlin-Aufenthaltes, von 1929 bis 1933, in seinem Roman „Goodbye to Berlin“ niederschrieb, wurde 1951 zu dem überaus erfolgreichen Theaterstück „I am a Camera“. 1955 verfilmt, gelangte das Stück 1966 als Broadway-Musical unter dem Namen „Cabaret“ zu ungeahnter Größe. Der Weltruhm kam für „Cabaret“ im Jahre 1972. Unter der Regie von Bob Fosse gelang zu diesem Zeitpunkt eine Verfilmung, die mit ganzen acht Oscars bedacht wurde.
In Berlin bekommt das Stück immer eine gewisse Portion Authentizität. Denn die Spielstätte selbst liegt nur wenige Kilometer Luftline vom Ort der ersten Niederschrift des Romans, am Nollendorfplatz. Hier hatte Isherwood bei Fräulein Meta Thurau ein Zimmer gemietet. Sie wurde später zu Fräulein Schneider, der ältlichen Zimmerwirtin in „Cabaret“. In der gleichen Pension lebte auch das Vorbild für Sally Bowles. Es war die englische Abenteurerin Jean Ross. Nachdem sie ihrer reichen Familie den Rücken gekehrt hatte, verdingte sie sich in einem Berliner Nachtclub als Sängerin.
Dennoch soll ein Musical bei aller Tragik und Düsternis in erster Linie unterhalten. Das dies gelingt, dafür dürften Weltklassiker wie „Maybe this time“, „Bye-bye, mein lieber Herr“ und „Life is a cabaret“ schon sorgen.
Cabaret, Das Musical
Regie und Choreographie: Vincent Paterson
(u.a. Choreograph von „Dancer in the Dark“ von Lars von Trier
Regisseur von „Manon“ – 2007 in der Staatsoper mit Netrebko und Villazon,
Regisseur von „Elvis“, eine Prod. des Cirque Du Soleil in Las Vegas 2009)
Musikalische Leitung: Adam Benzwi
Buch von Joe Masteroff – Nach dem Stück „Ich bin eine Kamera“ von John van Druten und nach den Erzählungen von Christopher Isherwood Musik von John Kander – Gesangstexte von Fred Ebb – Deutsch von Robert Gilbert Bühnenbild: Momme Röhrbein, Dramaturgie: Julian Kamphausen
Wann: 15. Juli bis 29. August 2010
Wo: TIPI am Kanzleramt, Große Querallee, 10557 Berlin
Beginn: Di – Sa um 20 Uhr, So um 19 Uhr
Einlass und Restauration ab 18.30 Uhr, sonntags ab 17.30 Uhr
Eintritt: 40,50 – 59,50 Euro