Kommt Size Zero zurück? Magerwahn in Hollywood scheint gefährlicher als früher

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Ariana Grandes neues Musikvideo hat erneut eine Debatte über Körperbilder angestoßen: Statt über die Musik diskutiert das Netz über ihr Aussehen, Prominente sprechen öffentlich über Gewichtsverlust und in Mode und Social Media rückt sehr schlanke Ästhetik zurück in den Fokus. Expertinnen warnen, dass diese Entwicklung besonders junge Menschen gefährdet.

Promi-Trend: Medikamente, Vorher‑nachher-Bilder und Wahrnehmung

In der Öffentlichkeit berichten inzwischen zahlreiche Stars offener über die Einnahme von Medikamenten zur Gewichtsreduktion. Medikamente aus der Wirkstoffgruppe GLP‑1, etwa unter dem Handelsnamen Ozempic, werden hierbei oft genannt. Medizinisch können sie für Menschen mit Diabetes oder Adipositas sinnvoll sein.

Hand hält Smartphone mit Vorher‑Nachher‑Bild eines Promis
Vorher‑Nachher‑Bilder von Prominenten verbreiten die Idee von schnellem Gewichtsverlust.

Gleichzeitig erzeugen Vorher‑nachher-Bilder, die Prominente teilen oder denen in sozialen Medien große Aufmerksamkeit zuteilwird, ein starkes Bild von Verfügbarkeit: Gewichtsverlust erscheint als direkter Weg zum gewünschten Körper.

Warum Fotos keine medizinische Diagnose erlauben

Die Frage, ob jemand Medikamente nimmt oder unter einer Essstörung leidet, lasse sich nicht aus Fotos ableiten, betont Prof. Dr. Silja Vocks von der Universität Osnabrück. Die Professorin, die seit mehr als 25 Jahren zu Essstörungen und Körperbild forscht, fordert dennoch eine öffentliche Debatte über die Wirkung dieser Bilder.

Modewelt: Rückkehr zu sehr kleinen Größen

Eine Auswertung von über 9.000 Looks der Frühjahr-/Sommerkollektionen 2026 zeigt, wie dominant schlanke Figuren auf den Laufstegen wieder geworden sind: Rund 97 Prozent der gezeigten Models trugen sehr kleine Konfektionsgrößen.

Vocks spricht von einem „bedauernswerten Rückschritt“ hin zu Idealen wie Size Zero oder dem einst als „Heroin Chic“ bezeichneten Look. Anders als früher befruchten soziale Medien dieses Bild: Influencerinnen präsentieren Alltag, Ernährung und Fitness in einem Format, das nahbar wirkt und deshalb stärker zum Vergleich einlädt.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Daten des Statistischen Bundesamts zeigen eine deutliche Zunahme stationärer Behandlungen wegen Essstörungen: 2024 wurden demnach etwa 6.000 Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren stationär behandelt — mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2004.

Über alle Altersgruppen hinweg war Magersucht mit rund 9.000 Fällen die häufigste Diagnose innerhalb der Essstörungen. Die offiziellen Zahlen erfassen allerdings nur Krankenhausfälle; die tatsächliche Zahl Betroffener dürfte höher liegen. Außerdem würden Erkrankungen offenbar bereits in jüngeren Lebensphasen beginnen, heißt es von Fachseite. Bei Jungen manifestiere sich der Druck häufiger in Form von Muskel- und Leistungsstreben statt in extremer Schlankheit.

Wie soziale Netzwerke den Druck verstärken

Algorithmen verschärfen die Situation: Nutzerinnen und Nutzer, die länger bei Inhalten zu sehr schlanken Körpern verweilen, erhalten verstärkt vergleichbare Beiträge. Betroffene oder Risikogruppen geraten so leichter in eine Rückkopplungsschleife mit schädlichen Bildern.

Jemand scrollt durch einen Social‑Media‑Feed mit schlanken Körperbildern
Algorithmen verstärken Sichtbarkeit von sehr schlanken Körpern und fördern Vergleiche.

Experimentelle Studien der Forschungsgruppe von Vocks legen nahe, dass sogenannte Fitspiration-Inhalte die Stimmung verschlechtern und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärken können. Im Gegensatz dazu zeigen Inhalte aus den Bereichen Body Positivity und Body Neutrality günstigere Effekte auf Stimmung und Selbstwahrnehmung.

Risikofaktoren und Prävention

Essstörungen entstehen nicht allein durch Medienkonsum. Genetische, biologische und psychische Faktoren sowie belastende Lebensereignisse spielen eine Rolle. Dennoch kann medialer Druck die Entwicklung bei vulnerablen Personen beschleunigen oder verschärfen.

Vocks rät Eltern und Bezugspersonen, früh und offen über Filter, Algorithmen und inszenierte Darstellungen zu sprechen. Es helfe, den eigenen Umgang mit Diäten und Körperkritik zu reflektieren und junge Menschen dafür zu sensibilisieren, dass gezeigte Bilder nicht zwingend die Realität widerspiegeln.

Wichtigere Fragen stellen

Wichtig sei laut Vocks nicht die Suche nach Schuldigen bei einzelnen Stars, sondern die Frage, warum sehr schlanke Körper wieder als Maß für Gesundheit und Schönheit gelten. Nur so lasse sich dem Trend wirksam begegnen.

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