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Eine Neuköllner Traditionskneipe hat neue Pächter: Rabea Lehmann und ihr Jugendfreund Simon Sahlmann haben das „Zum Heinzelmann“ am Karl‑Marx‑Platz Ende März übernommen. Das Lokal bleibt bewusst ein Kieztreff – mit einigen modernen Anpassungen und einem Fokus auf Offenheit.
Wie es zur Übernahme kam
„Wir wurden oft gefragt, ob wir verrückt sind“, sagt Rabea Lehmann, die das Heinzelmann seit knapp zwei Monaten gemeinsam mit Simon führt. Beide stammen aus Neukölln, kennen sich seit der Grundschule und suchten bereits länger nach einer eigenen Kneipe. Als der bisherige Wirt Micha, der das Haus 31 Jahre lang betrieben hatte, erfuhr, dass sie interessiert sind, bot er ihnen das Lokal an.
Der Name blieb. Auch viele vertraute Details im Innenraum fanden sie wichtig. Gleichzeitig wollten die neuen Betreiberinnen und Betreiber aber ihre Handschrift einbringen.
Behutsame Modernisierung
Zu den spürbarsten Änderungen zählt ein generelles Rauchverbot am Tresen. Unter langjährigen Gästen führte das zunächst zu gemischten Reaktionen. „Die meisten freuen sich einfach, dass ihre Kneipe eine Kneipe geblieben ist“, sagt Lehmann.

Optisch wurden Lampen ausgetauscht, die Weinkarte ergänzt. Statt des bisherigen Schwarzbiers gibt es nun ein helles Lager – das Angebot orientiert sich an den Vorlieben des jungen, internationalen Neuköllns. Die Preise bleiben moderat: „Nullvier für Dreiachtzig“, nennt Lehmann ein Beispiel. Auf der Theke stehen die klassischen Kneipensnacks wie Salzstangen, Erdnüsse und Flips.
Arbeitsalltag und Haltung
Lehmann, 29 Jahre alt und gelernte Schneiderin, beschreibt ihren Antrieb knapp: „Ich brauche Action bei der Arbeit.“ Nachtschichten seien kein Problem für sie. Auf Dauer anstrengend sei derzeit vor allem die organisatorische Seite – Buchhaltung und Bürokratie fordern.
Für die Betreiber ist die Kneipe mehr als ein Geschäftsmodell. „Eine Kneipe muss günstig sein und da sein für alle“, sagt Lehmann. Das schließe unterschiedliche Lebensrhythmen und Kulturen ein. Außerdem sei die Reaktion des Personals auf unangebrachte Sprüche ein Hinweis auf die politische Haltung eines Lokals. Erfahrungsgemäß bringe ein jüngeres, stärker weiblich geprägtes Team mehr Frauen ins Publikum.
Verbindungen zur alten Zeit
Wichtig war dem neuen Duo der Brückenschlag zur bisherigen Bewirtschaftung. Micha hatte das Heinzelmann drei Jahrzehnte geführt; seine Schwester, die lange hinter dem Tresen arbeitete, wurde übernommen. Das half, bestehende Stammgäste zu beruhigen und Kontinuität zu sichern.

Der frühere Wirt kommt inzwischen regelmäßig als Gast vorbei. „Der kann sich auch nicht so richtig lösen“, sagt Lehmann – und wertet das als Lob.
Praktische Infos
Zum Heinzelmann, Karl‑Marx‑Platz 14, Neukölln. Geöffnet: Mo–Fr ab 16 Uhr, Sa & So ab 13 Uhr. Auf Instagram: @zumheinzelmann.











