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In der denkmalgeschützten Kantstraße hat sich ein historischer Parkhausbau neu erfunden: Im 1927 errichteten Kant-Garagenpalast eröffnet mit Dufte eine Food‑ und Trinkhalle, die traditionelle Architektur mit etablierten Berliner Gastrokonzepten verbindet. Für Anwohner und Büroangestellte bietet der Ort spürbar andere Qualitäten als ein gewöhnlicher Food Court.
Vom automobilen Zweckbau zur Kulturnische
Der Kant‑Garagenpalast gilt als eines der ersten Parkhäuser Europas und zeichnet sich durch eine markante Doppelhelix-Rampe aus, die Auf‑ und Abfahrt trennt. Die Umnutzung hat Räume für Büros, Veranstaltungen und Gastronomie geschaffen, ohne die industrielle Ästhetik zu überdecken.

Initiator Felix Bollen brachte die Idee aus London mit. Dort hat er mit seiner Familie die Brauerei German Kraft Beer aufgebaut und Erfahrung in Food‑Hallen gesammelt, die oft historische Gebäude neu beleben. Bollen und seine Partner betonen ausdrücklich: „Sagt also bitte nicht Food Court dazu.“
Ein Netzwerk etablierter Küchen
Im Mittelpunkt stehen fünf fest verankerte Gastronomieangebote, keine kurzlebigen Street‑Food-Stände. Die Betreiber haben bekannte Konzepte aus Berlins Szene eingeladen, statt auf Zufallsbesetzungen zu setzen.
Beispiele: Mani in Pasta bringt handwerkliche Pasta aus importierten Zutaten mit – ein Projekt, das seit rund zehn Jahren in der Markthalle Neun präsent ist. Aparna Aurora ist aus den drei Filialen von Chutnify bekannt; ihr Beitrag im Kant‑Palast heißt Curried Cactus und verbindet indische mit lateinamerikanischen Aromen.
Auch Küchenchefs mit Restauranterfahrung sind dabei. Navot Shelach, vormals bei Aviv030, führt mit Abuya eine unkomplizierte, kurzweilige Levanteküche. Neu auf der Bühne sind die jungen Macher von Tacho, alle Jahrgang 2000, die klassische deutsche Gerichte überraschend handwerklich interpretieren.
Atmosphäre, Service und Nahversorgung
Die Einrichtung betont die historische Substanz: Vorhangfassade, sichtbare Patina und eine Lichttechnik, die den Raum farbig modulieren kann. Zwei zentrale Bars strukturieren die Halle – eine fokussiert auf Bier, die andere auf Spirituosen und Cocktails – rund um sie gruppieren sich die einzelnen Fensterstationen.

Praktisch und alltäglich wirkt die Entscheidung, in der ehemaligen Tankstelle eine Bäckerei einzurichten: Das Domberger Brot‑Werk backt dort täglich Sauerteigbrote und sorgt so für Frequenz. Dufte öffnet bereits ab 8.30 Uhr, was den Ort auch für Frühstück und kurze Aufenthalte attraktiv macht.
Zwischen dem Garagengebäude und der nahegelegenen Stadtbahntrasse ist zudem ein Biergarten entstanden. Eine kleine, aber wirksame Ergänzung für entspannte Abende oder Public‑Viewing‑Anlässe.
Nachbarschaftsziel und Erreichbarkeit
Die Betreiber formulieren klar das Ziel, lokal zu wirken: „Wenn wir die Nachbarschaft erreichen wollen, dann müssen wir auch für die Nachbarschaft da sein“, sagt Felix Bollen. Die Kombination aus zugänglichen Angeboten und längeren Öffnungszeiten soll genau das leisten.
Nach einer rund einjährigen Verzögerung beim Start kommt Dufte zur richtigen Zeit für eine Stadt, die sich wieder nach bezahlbaren und vertrauten Treffpunkten sehnt. Mit moderatem Budget, schreibt das Haus, lässt sich ein Abend gut gestalten – als Orientierung dienen Preise, bei denen etwa 40 Euro für einen vollständigen Besuch reichen können.
Praktische Angaben
Dufte, Kant‑Garagenpalast, Kantstraße 126/127, Charlottenburg. Öffnungszeiten: Di–Do 8.30–0 Uhr, Fr–Sa 8.30–1 Uhr.











