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Eine Dashcam-Aufnahme aus Punta Marina bei Ravenna zeigt, wie ein Auto einen Pfau erfasst und der Vogel reglos auf der Straße liegen bleibt. Der Vorfall hat nicht nur strafrechtliche Folgen für einen mutmaßlichen Täter, sondern entzündet erneut die Debatte um eine wachsende Pfauenpopulation im Küstenort.
Tötung eines Pfaus führt zu Strafanzeige
Die Videoaufnahme stammt von einem anderen Verkehrsteilnehmer. Sie zeigt, wie ein Fahrzeug ein wartendes Auto überholt und dabei einen der Tiere trifft. Die Carabinieri identifizierten anschließend das überholende Auto und ermittelten einen 39-jährigen Mann aus Ravenna.
Gegen ihn wurde Anzeige wegen der Tötung eines Tieres erstattet. In Punta Marina hat der Fall eine starke öffentliche Resonanz ausgelöst, weil die Tiere hier längst kein Einzelfall mehr sind.
Eine sichtbare, oft störende Präsenz
Seit mehr als einem Jahrzehnt hat sich in dem Badeort eine frei lebende Pfauenkolonie etabliert. Lokale Schätzungen gehen von rund 200 Vögeln aus; einige Beobachter sprechen von noch mehr.

Die Pfauen gelten inzwischen als Alltagserscheinung: sie sitzen auf Dächern, durchqueren Kreisverkehre und treten in Vorgärten und auf Terrassen auf. Für Urlauber sind sie ein Fotomotiv, für Bewohner oft eine Belastung.
Beschwerden reichen von den lauten Rufen während der Paarungszeit über Verschmutzungen auf Gehwegen bis zu beschädigten Dachziegeln und zerkratzten Autos. Bewohner berichten von gestörtem Schlaf und davon, dass sich manche Gäste durch die Tiere gestört fühlen.
Unklare Herkunft und Vermehrung
Wie die Pfauen ursprünglich nach Punta Marina gelangten, ist nicht endgültig geklärt. Experten vermuten, dass vor mehr als zwölf Jahren einzelne Tiere aus privater Haltung entkommen oder ausgesetzt wurden.
Ursprünglich sollen sich die Vögel vor allem auf dem Gelände einer ehemaligen Ferienanlage der italienischen Luftwaffe in Strandnähe aufgehalten haben. Nach Umbauarbeiten verbreiteten sie sich schrittweise im Ort. Nach Angaben aus der Gemeinde nahm ihre Zahl während der Corona-Pandemie weiter zu.
Gemeinde plant Zählung und Management
Weil bislang keine verlässlichen Zahlen vorliegen, kündigte die Gemeinde nach Angaben der Verwaltung eine offizielle Zählung an. Diese soll noch nach dem Sommer stattfinden und Teil eines umfassenderen Kontroll- und Managementplans werden.

Geplant ist demnach auch der Einsatz von Drohnen zur Erfassung der Tiere. Ziel sei, die Population zu erfassen, etwa 50 Pfauen dauerhaft vor Ort zu belassen und zur besseren Kontrolle zu beringen. Andere Vögel sollen möglichst in geeignete Einrichtungen umgesiedelt werden.
Streit, Zuständigkeit und Warnungen von Tierschützern
Der Verein Clama, der sich mit der Koexistenz von Pfauen und Menschen beschäftigt, reagierte nach dem tödlichen Zwischenfall deutlich: Bei Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung seien die großen, langsamen Vögel normalerweise rechtzeitig zu erkennen. Zugleich warnte der Verein vor einem zunehmend aggressiven Klima in der Debatte.
Besonders in sozialen Netzwerken hätten sich die Auseinandersetzungen zugespitzt, heißt es weiter. Frühere Maßnahmen, etwa das Einfangen der Tiere mit Netzen, seien bereits gescheitert.
Auch die Frage der Zuständigkeit ist offen. Lorenza Mazzotti, Leiterin der Provinzpolizei, bezeichnete die Pfauen als herrenlos. Unklar bleibt, welche Behörde langfristig verantwortlich sein und finanzielle Lasten für Maßnahmen übernehmen soll.












