Klitschko siegt nur knapp – Chisora sorgt für jede Menge Wirbel, Tumulte nach dem Kampf

Klitschko siegt nur knapp – Chisora sorgt für jede Menge Wirbel, Tumulte nach dem Kampf

Der Boxkampf zwischen WBC-Weltmeister Vitali Klitschko und seinen britischen Herausforderer Dereck Chisora sorgte nicht nur vor dem Kampf für Wirbel, sondern bot bis zur letzten Minuten Aufregung und Hochspannung zugleich. In München pfiffen sich die Zuschauer die Lungen aus dem Hals.

Das Spektakel am Sonnabend wollten sich 13,73 Millionen Fernsehzuschauer nicht entgehen lassen. Noch bevor der Kampf begann, ging es schon gut los. Denn nachdem der Brite den Champion beim Wiegen am Freitag schon eine schallende Ohrfeige verpasst hatte, bespuckte er unmittelbar vor Beginn des Kampfes Wladimir Klitschko im Ring.

Der unrühmliche Höhepunkt der Gehässigkeiten war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht erreicht. Denn was sich nach dem Kampf auf der Pressekonferenz abspielte, war ein Skandal, wie es ihn in dieser Form wohl noch nie gegeben hat. Dort hielt sich auch Chisoras Landsmann David Haye auf, der den Boxkampf als Co-Kommentator des britischen Senders Box Nation am Ring verfolgt hatte. Als die Rede auf einen möglichen WM-Kampf Hayes gegen Vitali Klitschko kam, entwickelte sich zunächst ein Wortgefecht zwischen KMG-Geschäftsführer Bernd Bönte und Haye, der vehement einen WM-Kampf gegen den WBC-Weltmeister einforderte.

Als Bönte erklärte, Haye habe ein Angebot der KMG abgelehnt und stehe deshalb jetzt nicht mehr zur Diskussion, mischte sich Dereck Chisora ein. Wenn er seiner Mutter versprochen habe, einem der Klitschkos eine Ohrfeige zu verpassen, so werde er Haye gleich zwei Ohrfeigen verpassen, weil der mit seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko den vorläufigen Rückzug des britischen Senders Sky Sports zu verantworten und damit auch die Chance junger britischer Boxer auf lukrative Kämpfe zunichte gemachte habe.

Haye wirft mit Kamerastativ

Den Vorschlag von Promoter Frank Warren, der Sieger eines Kampfes zwischen den beiden Briten solle gegen Vitali Klitschko antreten, nahm Dereck Chisora allzu wörtlich. „Das können wir auch gleich erledigen“, drohte Chisora, stand vom Podium auf und ging schnurstracks mit einer Drohgebärde auf David Haye zu. Sekunden später flogen zwischen den beiden die Fäuste, begleitet von tumultartigen und hässlichen Szenen. Die beiden Briten rauften sich zunächst auf dem Boden weiter, wurden dann kurzzeitig von den überforderten Security-Männern getrennt. „He glassed me, he glassed me“, schrie der aufgebrachte Chisora immer wieder und beschuldigte Haye damit, ihn mit einer Flasche verletzt zu haben. Dann machte Chisora inmitten der verschreckten Journalisten wieder Jagd auf Haye, der mittlerweile von Chisoras Trainer Don Charles attackiert worden war. Haye schnappte sich ein Kamerastativ und warf es auf seinen Angreifer, traf allerdings nur seinen eigenen Manager Adam Booth, der eine blutende Platzwunde davontrug. Irgendwann und irgendwie löste sich dieser einzigartige Tumult auf – zurück blieb ein einzigartiger Skandal, der vermutlich drastische Konsequenzen nach sich ziehen wird.
„Das war eine Schande für den Boxsport“, sagte Vitali Klitschko später.

Der Kampf

Nachdem also Chisora den Kampf so lange verzögert hatte, dass das Publikum begann ihn auszubuhen, ging es dann endlich los. Aber bevor die Fäuste flogen, konnte Chisora es sich nicht verkneifen, Wladimir Klitschko ins Gesicht zu spucken. Die Stimmung in der Halle brodelte.

Dann war es Zeit zu kämpfen. Schon in den ersten Runden zeigte sich das „Großmaul“ Chisora sportlich wesentlich besser agierte, als alle erwartet hatten. Dr. Eisenfaust hatte bis Runde Sieben ordentlich zu tun, um seinen Gegner in Schach zu halten. Es hatte den Anschein, als würde der Jüngere den Alten konditionell überflügeln. Dem Zuschauer wurde klar, dass es sich bei Chisora keines falls nur um Fallobst handelte. In der 8. Runde schaffte es der Brite, den Druck sogar zu erhöhen. Er zeigte seine Kämpfernatur und ging immer wieder rein. Klitschko wirkte oft in die Defensive getrieben.

Das wandelte sich dann in der 9. Runde. Vitali legte wieder einen Gang zu und schaffte etwas Distanz. Man bekam den Eindruck, dass er sich in den Runden davor aus taktischen Günden zurück gehalten hatte, um Kräfte zu sparen. Die 10. Runde verlief ausgeglichen.

In der 11. Runde wurde klar, dass sich kein Boxer mit einem K.O. durchsetzen wird. Der Respekt vor der sportlichen Leistung Chisoras nahm zu. Dennoch dominiert Klitschko. Seine Erfahrung im Ring kommt ihm jetzt zugute. Der Abstand zum Sieg kann nur sehr klein sein. In der 12. Runde merkt man deutlich, dass Chisora alle Kräfte mobilisiert, um Vitali aus den Schuhen zu hauen. Ihm muss klar sein, dass nur ein K.O. zum Siegt führen kann. Am Ende hat man den Eindruck, dass die Glocke in Klitschkos Sinne läutet. Er ist völlig erschöpft. Allen ist klar, der Sieg für Klitschko ist knapp und musste hart erkämpft werden. „Großmaul“ Chisora hatte eine großartige Leistung hingelegt. Mit mehr Erfahrung kann er künftig großartige Kämpfe bestreiten.

Vitali Klitschko kommentiert nach dem Kampf

Kurz nach dem Kampf kommentierte Vitali Klitschko:„Ich bin glücklich und unglücklich zugleich. Glücklich, weil ich meinen Titel verteidigt habe, unglücklich, weil ich Dereck nicht die Abrechnung gegeben habe, die er verdient hätte. Er hat einen starken Kampf abgeliefert, ist ständig nach vorne marschiert. Deshalb habe ich sportlich großen Respekt vor ihm. Menschlich aber bin ich zutiefst angewidert von ihm.“ Damit bezog sich Vitali Klitschko auf das nicht akzeptable Verhalten Chisoras im Vorfeld des Kampfes.

Beim regulären Teil der Pressekonferenz hatte Vitali Klitschko angedeutet, dass er ab der 4. Runde durch eine Verletzung in der linken Schulter gehandicapt gewesen sei. „Ich konnte nur mit meiner Rechten arbeiten und wer meinen Boxstil kennt, der weiß, dass der linke Jab der Schlüssel zum Erfolg ist. Den konnte ich nicht mehr einsetzen.“ Im Laufe des Sonntags wird sich der 40-Jähige nun einer Kernspintomographie in einer Münchener Klinik unterziehen.

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Foto: Vitali Klitschko und Dereck Chisora (re.)/(c) RTL / Public Address