Das Jahrhundert Vasaris – Florentiner Zeichner des Cinquecento

Die Ausstellung des Kupferstichkabinetts im Format „Kabinett in der Galerie“ anlässlich des 500. Geburtstages von Giorgio Vasari (1511-1574) entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz und ist im Kabinett in der Gemäldegalerie vom 17. Mai bis 21. August 2011 zu sehen.

Berühmtheit erlangte Giorgio Vasari vor allem durch seine Künstlerbiographien, er war aber auch ein produktiver Maler und Architekt und nicht zuletzt ein virtuoser Zeichner. In seinen Schriften spielt der Begriff disegno, der nur unzureichend mit „Zeichnung“ übersetzt werden kann, ein zentrale Rolle. Er umfasst für Vasari sowohl das gedankliche Konzept eines Kunstwerks wie dessen Materialisierung in Form einer Handzeichnung. Deshalb erklärte Vasari den disegno zum „Vater“ der drei Schwesterkünste Malerei, Bildhauerei und Architektur.Dies führte zu einer Aufwertung auch flüchtiger Ideenskizzen. Daneben empfahl Vasari das Studium der menschlichen Anatomie und das Zeichnen nach vorbildlichen künstlerischen Lösungen der Antike wie der eigenen Zeit, um so die eigenen Fertigkeiten zu schulen. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Entwurf (modello) konnte außerdem zur Vorlage bei Auftraggebern dienen.

Jacopo Pontormo - Akt

Jacopo Pontormo - Akt

Neben einigen herausragenden Blättern von Vasari selbst zeigt die Ausstellung auch eine kleine, aber repräsentative Auswahl von Zeichnungen Florentiner Maler und Bildhauer des 16. Jahrhunderts. Zu sehen sind Blätter seiner Freunde, Kollegen und Nachfolger, aber auch aus der Generation seiner Lehrer und Vorbilder. Mit dem Schaffen dieser bedeutenden Künstler – Fra Bartolomeo, Andrea del Sarto, Baccio Bandinelli und Benvenuto Cellini, Jacopo Pontormo und Francesco Salviati, Giambattista Naldini und Jacopo Zucchi – hat sich Vasari auch in seinen „Lebensbeschreibungen“ auseinandergesetzt. So bietet die Kabinettausstellung – auch anhand einiger unbekannter und neu zugeschriebener Werke – ein Panorama der Entwicklung der Florentiner Zeichenkunst während der Lebenszeit Giorgio Vasaris von 1511 bis 1574. An der Auswahl wird neben den unterschiedlichen individuellen Handschriften und graphischen Techniken auch die Herausbildung jenes Florentiner, der Prägnanz der Linie verpflichteten Disegno-Ideals anschaulich, das in Vasari seinen herausragenden Historiker und Theoretiker fand.

Ausgestellt sind zudem die Erstausgaben der beiden Editionen von Vasaris „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ (1550 und 1568). Vasari erfasst darin Leben und Werke von etwa 160 italienischen Künstlern seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert bis in seine Zeit. Trotz der zahlreichen Anekdoten und seines oft recht einseitigen Urteils sind diese Vite bis heute ein Schlüsselwerk der Kunstgeschichtsschreibung. Da für Vasari die Handzeichnung auch der unverwechselbare Ausdruck einer Künstlerpersönlichkeit war, erwarb und bewahrte er im Laufe seines Lebens zahlreiche Beispiele von verschiedenen Künstlern und fasste sie in mehreren Bänden seines so genannten Libro de’ Disegni (Buch der Zeichnungen) zusammen, aus dem hier ebenfalls ein Blatt gezeigt werden kann. In seinen Vite verweist er häufig und nicht ohne Stolz auf seinen Libro, um mit diesen Zeichnungen seine Argumentation stilkritisch zu untermauern und seine Kenntnis aus erster Hand zu belegen.

Serviceinfo

Termin: Di, 17. Mai bis So, 21. August 2011
Öffnungszeiten: Di – So von 10–18 Uhr, Do 10 – 22 Uhr, Mo geschlossen
Ort: Gemäldegalerie, Kulturforum Potsdamer Platz/ Eingang: Matthäikirchplatz, 10785 Berlin Stadtplan >>

Foto oben: Giorgio Vasari – Verkündigung an Maria, um 1545 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Foto Mitte: Jacopo Pontormo – Stehender männlicher Akt und Teilskizze eines Oberkörpers, um 1520 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Volker-H. Schneider

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