Boxer Jean-Marc Mormeck im Interview über Chisora: “Er war nicht Herr seiner Sinne.“

Boxer Jean-Marc Mormeck im Interview über Chisora: “Er war nicht Herr seiner Sinne.“

IBF-und IBO- Schwergewichtsweltmeister und WBO-und WBA-Superchampion Wladimir Klitschko verteidigt am Samstag, 3. März seine Titel gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck. Im Vorfeld ließ Jean-Marc Mormeck einiges über sich und den kommenden Kampf verlauten.

Jean-Marc Mormeck ist 39 Jahre alt und amtierender WBA-International-Champion im Schwergewicht. Sein Rekord als Profi steht bei 36 Siegen, davon 22 durch KO und vier Niederlagen. Mit einer Körpergröße von 1,81 m ist er 17 Zentimeter kleiner als Wladimir Klitschko.

Mormeck der am 3. Juni 1972 in Pointe-à-Pitre, Guadeloupe geboren wurde behauptet: „Mein Vater hat mir das Boxen in die Wiege gelegt. Immer wenn große Fights im Fernsehen zu sehen waren, weckte er mich auf und wir schauten uns gemeinsam die Besten der Besten an. Ich liebte diese großen Spektakel. Ich erinnere mich noch an Ali, Hagler, später Tyson. Das war einfach toll.“ Im Alter von sechs Jahren verließ Mormeck mit seinen Eltern Guadeloupe und sie zogen in einen nördlich gelegenen Vorort von Paris, Bobigny.

Zwar war er auch ein guter Fußballspieler, aber eine Verletzung beendete seine Fußballkarriere. So begann er mit dem Boxen. Damals war er 15 Jahre alt. Mormeck trainierte zu Beginn seiner Amateurkarriere ohne festen Trainer. Er nahm jeden Kampf an, um finanziell über die Runden zu kommen. Insgesamt boxte er nur 17 Mal als Amateur. Er gewann 15 seiner Kämpfe, acht davon durch KO.

Nach seiner Zeit beim Militär arbeitete Mormeck für einen Sicherheitsdienst in Paris und wurde in den Problemvierteln der Stadt eingesetzt. „Ich war dafür bekannt, dass ich gut hinlangen konnte.” so Mormeck auf seiner Homepage. Anfang 1995 entschied sich der junge Franzose Profi zu werden.

Zu seinen sportlichen Vorbildern zählt Marvin Hagler. Er bewundert ihn neben seinen großartigen Kämpfen auch dafür, dass er nach seiner Niederlage gegen Ray Leonard seinen Rücktritt verkündet hat und kein Geld der Welt ihn dazu gebracht hat, noch einmal in den Ring zu steigen. So eine Entscheidung verdient größten Respekt!

Mormeck im Interview

Mormeck äußerte sich vor seinem Kampf in einem RTL-Interview:

Jean-Marc, Düsseldorf die Zweite heißt es jetzt: Fühlen Sie sich jetzt noch besser?
„Ja, und ich hatte jetzt dadurch auch die Zeit, etwas anders zu trainieren!“

Waren Sie eigentlich auch sauer, dass der Kampf im Dezember abgesagt wurde und Sie umsonst nach Düsseldorf gereist waren?
„Etwas sauer war ich schon, denn Wladimir wusste von seiner Verletzung nicht erst an diesem Montag, schon am Tag zuvor. Ich hätte also nicht anreisen müssen, er hätte mich anrufen können und gut. Ich wäre nicht losgeflogen und wir hätten alles abgesagt. Das hätte keine Mühe gemacht, mir das mitzuteilen, statt mich hierhin kommen zu lassen und mir dann zwei Stunden vor der PK zu sagen, der Kampf findet nicht statt.“

Jetzt findet der Kampf endlich statt und Sie haben einen neuen Trainer – wieso?
„Ich habe mit dem amerikanischen Trainer Kevin Rooney trainiert, gelernt, was ich lernen musste, was ich mit ihm tun musste. Aber Boxen ist, wie es auch Wladimir sagt, ein Schachspiel, ein Strategie-Spiel. Man muss versuchen zu verstehen, wie eine Person funktioniert, wie unterschiedliche Arbeit läuft. Daher habe ich den Coach gewechselt, um zu verstehen, wie das Boxen in Russland oder der Ukraine funktioniert.“

Aber ist es nicht eigenartig, so kurzfristig den Trainer zu wechseln?
„Nein, es war genug Zeit da, so konnte ich gut lernen.“

Also, das Thema Kevin Rooney ist für Sie vorüber? Mochten Sie den Vergleich mit Mike Tyson, auch ein ehemaliger Schützling von Rooney, nicht?
„Mike Tyson war der Größte für mich. Mike Tyson bleibt Mike Tyson. Ich bin bloß Jean-Marc MOrmeck. Ich könnte nie ein Tyson werden. Was Mike Tyson beherrschte, habe ich nun gelernt. Jetzt liegt es ganz allein an mir, zu zeigen, was ich von seinem Stil gelernt habe.“

Bei der Pressekonferenz am Montag standen Sie Wladimir direkt gegenüber. Waren Sie etwas beeindruckt?
„Wieso?“

Er ist sehr viel größer als Sie, er ist ein großer Champion, der alles gewonnen hat und gegen Sie seinen 50. K.O.-Sieg schaffen will…
„Das interessiert mich nicht. Er ist ein großer Champion, das stimmt, daher will ich gegen ihn kämpfen. Wenn ich beeindruckt wäre von ihm, dürfte ich nicht hier sein. Dann müsste ich mich vor dem Fernseher setzen und sagen: was für ein Champion. Das juckt mich aber nicht!“

Wieso sind Sie so überzeugt, dass Sie hier gewinnen können?
„Wenn Du nicht überzeugt bist, etwas zu schaffen, das musst Du es nicht anfangen. Jeder Herausforderer, jeder Sportler ist überzeugt, zu gewinnen. Wie er überzeugt ist, seine Gürtel zu behalten. Letztlich gewinnt der, der die bessere Strategie, mehr Arbeit im Ring zeigt. Es ist falsch zu behaupten, man hat einfach trainiert, man ist vorbereitet und ist gewohnt zu gewinnen. Jeder Zyklus endet mal, wie überall ….!“

Sie haben die mentale Stärke unterstrichen, wird das den Unterschied ausmachen?
„Wenn man immer alles gewinnt, wenn man gewohnt ist, immer zu siegen, dann kommt irgendwann der Punkt, dass Du keine Schwierigkeit mehr verspürst, vielleicht die Lust nach mehr weggeht. Ich denke, man lässt dann etwas nach. Er hat seit acht Jahren nicht mehr verloren, d.h. er gewinnt und dominiert seit acht Jahren seine Gegner. Wenn es jetzt doch mal wieder für ihn eine schwierige Aufgabe wird, wie wird er damit umgehen? Kann er dann wieder ganz angreifen oder wird er mehr einstecken? Wir werden sehen, ob dieser Tag jetzt kommt.“

Was wird das Rezept zum Sieg sein?
„Das Rezept ist zu Boxen und zwar so, wie er es nicht erwartet!“

Sind Sie gar nicht nervös, vor 50.000 Zuschauer boxen zu dürfen?
(lacht) „Stimmt, schon vor diesen zehn Leuten hier beim Interview bin ich schon super-nervös. Nein: Ganz vielleicht werde ich nervös sein. Aber vergessen wir nicht, was mein Ziel ist. Ich bin nicht hier, um die 50.000 Zuschauer zu sehen, sondern nur um Wladimir zu begegnen. Es liegt jetzt an mir, alles drum herum auszublenden und das zu machen, weshalb ich hierhin gekommen bin und um das gut zu machen…“

Und Sie wollen sich einen Traum verwirklichen, erster französischer Schwergewichtsweltmeister werden!
„Das wäre zauberhaft! Ein Byrd, der auch aus der tieferen Gewichtsklasse kam, auch wenn man sagt, Wladimir war verletzt: er ist Schwergewichtsweltmeister geworden. Ist das nicht zauberhaft, aus dem Cruisergewicht aufzusteigen und sich den WM-Gürtel zu sichern? Ich habe auch in den unteren Klassen gewonnen, acht WM-Kämpfe geschafft und jetzt will ich auch hier mein Ding durchziehen. Ich muss alles geben, dann werde ich auch nichts bereuen.“

Wladimir ist mit einem großen Team angereist, Sie haben eine Mini-Entourage…
„Das ist der Unterschied: Ihr verfolgt Boxen, Ihr seid ein Volk von Box-Freunden. Das ist bei uns anders. Er hat seit acht Jahren nicht mehr verloren. Alles hat enorme Dimensionen angenommen, er hat einen großen Stab um sich, die für ihn arbeiten und ihm Vertrauen geben. Ich habe gerade die Gewichtsklasse gewechselt, ich brauche nicht so ein großes Team um mich. Ich bin ein Handwerker, er ein großer Business-Mann!“

Nach Ihrem ersten Boxversuch haben Sie einen Schlag einstecken müssen und gesagt: Oh, ich hasse diesen Sport, ich habe Angst. So fing es an. Denken Sie noch an Ihre Anfänge?
„Klar, vergisst man nie den Weg, den man zurückgelegt hat. Ich komme aus einer armen Banlieu, einem einfachen Vorort von Paris, wo ich zufällig zum Boxen gekommen bin und doch meinen Weg gegangen bin. Den ersten Trainer Erik vergesse ich nie: er hat mir den Willen und die Ausdauer mitgegeben, mir beigebracht, niemals aufzugeben. Ich bin losgegangen, aber noch nicht an meinem Ziel angekommen.“

Also, dank Ihres Willens und Ihrer mentalen Stärke werden Sie gewinnen?
„Ich glaube es, ich muss hart arbeiten und es dann machen…“

Abschließend, wie haben Sie die unschönen Szenen von Dereck Chisora gesehen?
„Chisora ist ein guter Boxer, er hat es lange gezeigt. Doch das Drumherum hätte er nicht machen müssen. Das hat dem Image des Boxsports nicht gut getan. Er hat geohrfeigt, gespuckt, hat sich von allem treiben lassen. Er war nicht Herr seiner Sinne.“

Also mögen Sie das Provozieren nicht?
„Wieso auch? Was bringt das?“

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Quelle: RTL
Foto: Jean-Marc-Mormeck und Wladimir Klitschko (re.) / (c) RTL / Stefan Menne