Neue Redaktion für Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau kostet 90 Jobs

Berlin – Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) verurteilt die am Freitag bekannt gewordenen Planungen von DuMont und SPD-Medienholding scharf.

Die Geschäftsführungen der Frankfurter Rundschau (FR), die der Zeitungsgruppe M. DuMont Schauberg (MDS) sowie der SPD-Medienholding DDVG gehört, und der Berliner Zeitung haben am Freitag auf einer Mitarbeiterversammlungen in Frankfurt/Main und Berlin einen aggressiven Personalabbau in der Redaktion der FR verkündet.

Laut Gewerkschaft sollen annähernd 90 Stellen und damit über die Hälfte der Beschäftigten in der Frankfurter Redaktion gekündigt werden. Künftig soll der komplette Mantelteil (Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Sport usw.) in einer Redaktionsgesellschaft produziert werden, die außerhalb der Verlage und der dort geltenden Tarifverträge gegründet und ihren Sitz in Berlin haben soll. In dieser neuen Redaktion sollen dann Stellen in Berlin und Frankfurt/Main angeboten werden. Insgesamt soll es demnach 44 Arbeitsplätze weniger geben.

Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke erklärte dazu: „Dies ist eine Kampfansage an die Kolleginnen und Kollegen bei der Frankfurter Rundschau und die Pressevielfalt in Deutschland. Neben dem massiven Arbeitsplatzverlust bedeuten die Details der Pläne von DuMont und SPD-Medienholding einen nicht hinzunehmenden Tarifbruch. Insbesondere die SPD macht sich damit restlos unglaubwürdig. Wir werden mit den Beschäftigten in Frankfurt und Berlin gegen die betriebsbedingten Kündigungen und gegen den Bruch der Tarifbedingungen vorgehen“.

Die Ausgliederung der Redaktion sei nach dem geltenden Haustarifvertrag für die Frankfurter Rundschau möglicherweise unzulässig, betonte Werneke. Der massive Stellenabbau, der Verstoß gegen geltende Tarifverträge und das geplante Unterlaufen der tariflichen Arbeitsbedingungen werde auf Widerstand der FR-Beschäftigten und ver.di stoßen. Die anstehenden Verhandlungen zur Abwehr betriebsbedingter Kündigungen würden durch die nun bekannt gemachten Pläne verschärft.

Die Kündigung der gesamten Mantelredaktion kommt aus Sicht von ver.di einem Ende der bisherigen FR gleich. Die neue Redaktionsgesellschaft unter Leitung der Chefredaktion der Berliner Zeitung führe zu einem Verlust an Medienvielfalt unter den überregionalen Tageszeitungen. Davon seien neben den gekündigten Redakteurinnen und Redakteuren nicht zuletzt auch zahlreiche freie Journalisten betroffen, denen ein Auftraggeber mit bundesweiter Verbreitung wegbreche.

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