Brotfabrik

Neben Theateraufführungen gehören auch Konzerte, Kunstausstellungen, Lesungen, Diskussionen und Workshops zum kulturellen Angebot der ehemaligen Backstube. Lässt man den Gedanken und der Phantasie freien Lauf so kann man sich vielleicht noch den Geruch von feinem Gebäck und frischem Brot vorstellen, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit durch die Räume zog.

Der Bäckermeister Kohler gründet 1890 die Bäckerstube Brotfabrik Michael Kohler und verdient sich so seine „Brötchen“ bis er 1952 in den Westen flüchtet. Erst 1914 wird die eigentliche Brotfabrik für 60000 Goldmark eingerichtet. Nach der Flucht des Bäckermeisters wird die Backstube geschlossen und das Gebäude 18 Jahre lang für andere Zwecke genutzt. Heute bietet die Brotfabrik einen Spielraum fur meist junge, professionelle Künstler.

Am 6. März 1986 wird durch eine Kooperation der Kunsthochschule Weißensee und einem sächsischen Baubetrieb der Jugendclub An der Weißenseer Spitze eröffnet. Dieser wird sehr schnell zu einem kulturellen Anziehungspunkt für Jugendliche, wird aber bereits zwei Monate später aus politischen Gründen geschlossen. Wegen zahlreicher Beschwerden der umliegenden Anwohner werden Konzerte und Musikveranstaltungen drastisch zurückgefahren wodurch sich aber das Angebot an Theaterinszenierungen erweitert. Es entsteht die hauseigene Theatergruppe Theater an der Spitze.

Die Brotfabrik war jedoch bisher offiziell ein reiner Gastspielbetrieb. Die engagierten Theatergruppen waren meist für ungefähr eine Woche anwesend, hatten zwei bis drei Auftritte und verschwanden dann schnell wieder von der Bildfläche. Das möchte Udo Höppner, der seit 2007 die Aufgabe der Bühnenprogrammgestaltung in der Brotfabrik übernommen hat ändern. Das zukünftige Theaterprogramm soll überwiegend geprägt sein von Koproduktionen, von Hand in Hand produzierten Projekten, die ab und zu von Gastspielen unterbrochen werden wie zum Beispiel von einem Bukowskistück und von Jon Fosses Winter.

Die Zeit in der Brotfabrik vor dem Mauerfall war gekennzeichnet von heftigen politischen Diskussionen um das Bühnenprogramm. Durch viel Eigeninitiative freischaffender Künstler und Kunstwissenschaftler war es dennoch begrenzt möglich, umstrittene Ausstellungen und Aufführungen durchzusetzen die nicht gerne genehmigt wurden. Erst nach dem Mauerfall bekam die Brotfabrik völlig freie Hand mit der Gestaltung des Programms. Ab diesem Zeitpunkt fanden viele Ausstellungen, Aufführungen und Lesungen mit politisch-kritischem, ironischem Charakter statt, die unter der früheren Regierung verboten worden wären wie zum Beispiel Lesungen von Max Goldt oder Thomas Sabottka.

Kennzeichnend für die Philosophie der Brotfabrik ist heute die sich ergänzende Verbindung der Bereiche Fotografie, Musik, Tanz und Theater. Durch die genreübergreifende Zusammenarbeit kann dem Zuschauer der geistige Zugang zu einer Vorstellung oder die Annäherung an ein Thema erleichtert werden. Geplant ist zum Beispiel eine Bühnenfassung des Stummfilmklassikers Das Kabinett des Dr. Caligari.

Udo Höppner geht es vor allem darum, dass der Zuschauer in einer Vorstellung überrascht wird und Fragen nicht beantwortet sondern aufgeworfen werden. In eigenen Stücken, die in Zukunft übrigens auch auf der Bühne der Brotfabrik zu sehen sein werden, geht es oft darum die Welt in ihrer großen Bedeutung als Mikrokosmos zu suchen und zentrale, konkrete Themen des Lebens wie zum Beispiel das Scheitern von Liebesbeziehungen oder das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern darzustellen. Theater hat für ihn viel mit dem Leben selbst zu tun, denn man kann dabei viel lernen und versuchen dies in der eigenen kleinen Realität umzusetzen. Viel Wert legt er hierbei auf den Wechsel von strengen und lockeren Formen denn der Zuschauer soll auch angeregt werden über das Medium Theater an sich nachzudenken.

„Wenn der Zuschauer sich darüber wundert, dass die Schauspieler auf der Bühne gerade so privat sind und er sich fragt welcher Teil des Stücks improvisiert war und welcher nicht, dann ist es gelungenes Theater.“

Adresse

Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin Stadtplan»

Kontakt

Tel.: 030-4 71 40 01
Fax: 030-4 73 37 77
Email: info@brotfabrik-berlin.de

Verkehrsanbindung

U2, U5, U8 bis Alexanderplatz dann M2
Tram M2, M13, 12 bis Prenzlauer Allee/ Ostseestraße
Ringbahn bis Prenzlauer Allee dann M2
S5, 7, 9, 15 bis Alexanderplatz dann M2

Internet

www.brotfabrik-berlin.de

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