BVG will 182 U-Bahnwagen runderneuern

BVG will 182 U-Bahnwagen runderneuern

Die BVG will 182 U-Bahnwagen der Baureihen F74 bis F 79 in der Hauptwerkstatt Seestraße in Berlin-Wedding runderneuern. Zwar sind diese schon seit 40 Jahren im Dauereinsatz, gehören damit eigentlich auf`s Abstellgleis, aber so lassen sich erhebliche Kosten sparen.

Statt zur Schrottpresse rollen die “Gebrauchtwagen” nach und nach zur Runderneuerung und sollen die nächsten 20 Jahre wieder im Einsatz sein können. Der erste F74-Doppeltriebwagen kam 2010 in die Werkstatt, jetzt wurde auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz das “Ergebnis” präsentiert. Laut BVG ist nur die äußere Form geblieben. Ansonsten ist so ziemlich jede Schraube und jedes Bauteil ausgebaut, überarbeitet oder ausgetauscht worden.

Leuchtende Haltestangen und grüne Drucktaster mit Brailleschrift

Außen glänzen die Fahrzeuge jetzt auch wieder im Verkehrsgelb der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), und auch im Inneren bzw. unter dem Rahmen hat sich einiges getan. Die Haltestangen leuchten in gut sichtbarem Gelb, die Sitze sind im Nachtliniendekor gehalten und an der Decke sorgen energiesparende Leuchtbänder für helles Licht. Durch den Ausbau einer Sitzbank hat jetzt jeder Doppeltriebwagen ein Mehrzweckabteil für Gepäck, Fahrräder und als Stellfläche für Rollstuhlfahrer. Die grauen Türgriffe wurden durch grüne Drucktaster ersetzt. Per Tastendruck können die Türen jetzt auch einzeln von innen geschlossen werden, die Taster sind mit Brailleschrift beschriftet.

Im Fahrerraum sind Anzeigenelemente und Leuchttaster neu. die Heizung soll jetzt 50 Prozent mehr Leistung schaffen und der neue Schwingsitz und elektrische Fensterheber bieten weiteren Komfort für den Fahrdienst im Tunnel. Neue Elektronik soll die Züge sanfter anfahren und bremsen lassen. Die Beschleunigung ist verbessert, was sich bei kurzen Taktfolgen im Linienverkehr bewährt. Gleichzeitig unterstützen Computer den Fahrer bei einer entspannten und ruckfreien Fahrweise. Ganze Bauteilgruppen, wie der Hauptschalter, die Starkstromverkabelung, die 110-Bordnetzversorgung und die Stromabnehmerbalken sind komplett ausgetauscht worden.

Laut BVG sind die Gesamtprojektkosten mit 77,5 Millionen Euro kalkuliert, wovon 12,5 Millionen über Sonderfinanzierungsmittel aus umgewandelten S-Bahn-Mitteln des Landes Berlin finanziert werden. Dazu erklärte BVG-Chefin Dr. Sigrid Evelyn Nikutta: “Für eine Ertüchtigung dürfen 35 Prozent der Neubeschaffungskosten nicht überschritten werden und Wagenkästen und Drehgestelle müssen noch so gut in Schuss sein, dass gewährleistet ist, dass sie noch weitere 20 Jahre durchhalten. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, stehen bei uns alle Signale auf Grün.”

Im Fall der 182 F74/76/79-U-Bahnwagen gab die externe unabhängige Schweißtechnische Versuchs- und Lehranstalt Berlin/Brandenburg die benötigte, positive Expertise über Wagenkästen und Drehgestelle ab.

Foto: Archivbild