Rätsel um grausame Waffe der Schlacht von Visby geklärt

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Eine neue Untersuchung liefert eine plausible Erklärung für die ungewöhnlichen, quadratischen Schädelverletzungen aus der Schlacht von Visby: Forscher konnten ein historisches Schlagwerkzeug als wahrscheinlichen Verursacher identifizieren. Die Ergebnisse stützen sich auf moderne 3‑D‑Rekonstruktionen und ballistische Versuche, die Verletzungsmuster mit experimentellen Treffern verglichen.

Methoden: Digitale Modelle und realitätsnahe Tests

Die Grundlage der Studie bilden Skelette aus den Massengräbern von Visby, die 1905 entdeckt und zwischen 1928 und 1930 untersucht wurden. Ein Forschungsteam der Universität Uppsala unter Leitung des biologischen Anthropologen Patrick Randolph Quinney wählte sieben Schädel für eine detaillierte Analyse aus.

Forscher arbeiten an 3‑D‑Scans von Schädeln im Labor
Hochauflösende Strukturlicht‑Scans halfen, die Verletzungsmuster digital zu sichern.

Mittels Strukturlicht‑Scanning und Mikrophotogrammetrie erzeugten die Wissenschaftler hochauflösende dreidimensionale Modelle der Knochenverletzungen. Auf diese digitalen Vorlagen setzten sie physische Nachbildungen auf: Weichgewebeersatz, ballistische Gelatine zur Simulation von Muskelmasse und historische Rüstungsstücke wurden kombiniert, um möglichst realistische Versuchsbedingungen zu schaffen.

Experiment: Drei Waffen unter Beobachtung

Für die ballistischen Tests wählte das Team drei Kandidaten: eine Armbrust, eine Stachelaxt und eine Stachelkeule. Jeder simulierte Schlag wurde präzise aufgezeichnet. Der beteiligte Forscher Ray Whitcher trug dabei einen Bewegungserfassungsanzug, der die Angriffsabläufe in vier Dimensionen dokumentierte.

Rekonstruktion einer mittelalterlichen Stachelkeule auf einem Tisch
Experimentelle Nachbildungen der Stachelkeule erzeugten ähnliche Bruchmuster.

Beim Vergleich der experimentell erzeugten Knochenschäden mit den historischen Befunden schieden Armbrust und Stachelaxt aus. Die Treffer der Stachelkeule jedoch erzeugten quadratische Frakturspuren, die den Verletzungen an den Visby‑Schädeln auffallend ähnelten. Eine forensische Analyse bestätigte die Übereinstimmung der Bruchmuster.

Hinweise auf koordinierte Angriffe

Die Befunde erlauben auch Rückschlüsse auf den Ablauf einzelner Kampfhandlungen. An manchen Schädeln lassen sich mehrere verschiedene Schadensmuster erkennen — etwa erste Schnitte, gefolgt von Eindrücken, wie sie zu einem stumpfen, gezackten Schlag passen.

Aus diesen Kombinationen folgern die Autoren, dass Opfer offenbar mehrfach attackiert wurden, möglicherweise von mehreren Angreifern nacheinander oder gleichzeitig. Die Studie widerspricht damit der Vorstellung, die Verteidiger Gotlands seien überwiegend ungeübte Kämpfer gewesen. Stattdessen deuten die Verletzungsmuster auf koordinierte Techniken und gezielte, effektive Waffenführung hin.

Regionale Relevanz für die Erforschung mittelalterlicher Schlachten

Die Visby‑Analysen bieten zudem einen Vergleichsmaßstab: Ähnliche Frakturen wurden bereits an Skeletten aus den Schlachten von Towton und Stirling in England beobachtet. Das macht die aktuellen Ergebnisse zu einer wichtigen Referenz für vergleichende Studien mittelalterlicher Gefechte.

Der historische Hintergrund: Die dänische Invasion 1361

Hinter den Funden steht die Invasion Gotlands durch dänische Truppen unter König Waldemar Atterdag (1321–1375). Nach einem Gefecht am 24. Juli 1361 bei Mästerby verlagerte sich das Kampfgeschehen auf die Umgebung von Visby.

Dort erlitt die aus Insulanern zusammengesetzte Verteidigung eine vernichtende Niederlage. Die Massengräber, in denen viele Tote bestattet wurden, liefern Forschern bis heute wichtige Hinweise auf Waffen, Taktiken und die Gewaltformen jener Auseinandersetzung.

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