Walpurgisnacht in Berlin vergleichsweise ruhig
Laut Polizei waren allein bei der Demonstration: „Nimm was dir zusteht“ im Wedding etwa 3.300 Polizisten im Einsatz. Da die Angaben zu den Teilnehmerzahlen auseinander gehen, kamen somit auf einen Demonstranten etwa 0,5 – 1/1 Polizeibeamter.
Möglicherweise lag es an dieser „Korsetttaktik“ der Polizei die keinen Spielraum für irgendwelche Ausschreitungen zuließ. Fakt ist jedoch, dass die Mehrzahl der überwiegend jungen Teilnehmer von Anfang nicht den Eindruck erweckt haben, auf Krawall gebürstet zu sein. Das Bild, welches sich ergab, entsprach nicht im Ansatz der „Panikmache“ im Vorfeld der Veranstaltung. Das blieb auch bis zum Ende der Veranstaltung so. Was sich auch darin äußerte, dass ein vermutlich gelangweilter Polizeibeamter gegenüber von Demo-Teilnehmern zu der provozierenden Bemerkung hinreißen lies: „Waten los, habt wohl keinen Bock heute?“ Was übersetzt soviel heißt wie: „Kommt doch her, wenn ihr auf`s Maul haben wollt.“
Aber auch nach offizieller Einschätzung der Polizei verlief die diesjährige Walpurgisnacht in Berlin weitgehend friedlich. Mehrere tausend Personen feierten und demonstrierten im Stadtgebiet. Von etwa 3.300 eingesetzten Polizeibeamten wurden nach ersten Erkenntnissen insgesamt acht leicht verletzt. Insgesamt nahm die Polizei vier Personen vorübergehend fest und sprach fünf Platzverweise aus. Es wurden 20 Ermittlungsverfahren u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch und Widerstand eingeleitet.
Mauerpark
Am Mauerpark in Prenzlauer Berg feierten bis zu 2.000 Menschen ausgesprochen friedlich. Für den Park galt auch diesmal wieder ein Flaschen- und Dosenverbot.
Viktoriapark
Im Viktoriapark in Kreuzberg hatten sich bis zu 600 Personen versammelt. Gegen 22 Uhr 45 sind mehrere Kleinfeuer entzündet worden, die von Polizeibeamten gelöscht wurden.
Hasenheide
Die Hasenheide in Neukölln war mit bis zu 500 Personen besucht und im Görlitzer Park in Kreuzberg begingen bis zu 900 Personen das „Hexenfest“.
Wedding
Die von 14 Uhr 30 bis 22 Uhr angemeldete Kundgebung „Antikapitalistische Walpurgisnacht“ in der Gerichtstraße in Mitte verlief störungsfrei.
Bei dem angemeldeten Aufzug „Nimm was dir zusteht“ zogen bis zu 3.300 Personen ab zirka 22 Uhr vom S-Bahnhof Wedding über die Müllerstraße durch den Weddinger Kiez. Die Demo richtete sich gegen Rassismus und Ausgrenzung. Bevor sich der Aufzug in Bewegung setzte wurde vereinzelt Pyrotechnik von Teilnehmern gezündet. Aus der Menge heraus kam es gegen 22 Uhr 40 vereinzelt zu Würfen von Pyrotechnik und Steinen auf Polizeibeamte. Gegen 23 Uhr hatte der Anmelder die Versammlung vorzeitig am Leopoldplatz in Mitte für beendet erklärt. Laut Polizei hatte kurz zuvor ein Zeuge beobachtet, wie ein Unbekannter aus dem Aufzug heraus einen Stein gegen die Eingangstür eines Geldinstitutes in der Müllerstraße warf und diese beschädigte.
Eine weitere Bankfiliale wurde gegen 2 Uhr 50 in der Thomasiusstraße Ecke Alt-Moabit in von zwei Vermummten angegriffen. Die beiden Unbekannten warfen unter lauten Rufen von antikapitalistischen Parolen Steine und einen Farbbeutel gegen die Fensterscheiben.
Sonnenallee
In der Sonnenallee in Neukölln beschädigten unbekannte Täter gegen 3 Uhr die Hausfassade des Polizeiabschnitts 54. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde mit weißer Farbe gefüllten Behältern beworfen.