“ZDFzoom”-Reportage zeigt illegale Praktiken der Zeitarbeits-Branche

“ZDFzoom”-Reportage zeigt illegale Praktiken der Zeitarbeits-Branche

Es betrifft etwa 900 000 Menschen, die aktuell bei zirka 16 000 Zeitarbeitsfirmen beschäftigt sind. Die Lohnuntergrenze liegt bei knapp 8 Euro. “ZDFzoom”-Reporter Christian Bock ließ sich für seinen Film “Zeitarbeit – Jobmotor oder Ausbeutung?” verdeckt als Zeitarbeiter anstellen.

Gleich bei seinem ersten Job bekommt er keinen schriftlichen Vertrag bei Arbeitsbeginn, erlebt unzulässige Arbeit auf Baustellen, registriert fehlende Sicherheitsausstattung. Als er sich krankmelden will, kündigt die Zeitarbeitsfirma sofort und weigert sich, für die bereits geleistete Arbeit zu zahlen. “Das überrascht mich nicht im Geringsten”, sagt Zeitarbeiter Tom K., ein 24-jähriger Tischler: “Als Zeitarbeiter bist du sowieso das Letzte, die Kollegen interessieren sich nicht einmal für deinen Namen.”

Leiharbeiter sind, obwohl theoretisch normale Angestellte, bei manchen Firmen praktisch rechtlos: Wer über seine Arbeit meckert, wird kurzfristig vom Auftragnehmer “abgemeldet”, was oft zur sofortigen Kündigung durch die Zeitarbeitsfirma führt. Extrem kurzfristige Einsätze gehören zum Alltag vieler Leiharbeiter genauso wie Doppelschichten und Zwangsurlaub.

“Noch ein Trick ist, Zeitarbeitern 400-Euro-Jobs zu geben und sie dann Vollzeit arbeiten zu lassen”, sagt ein Insider. Er muss es wissen, denn ihm gehört eine Zeitarbeitsfirma mit 1500 Beschäftigten. Für sich schließt er diese Methoden allerdings aus. “Die Branche muss seriös werden und vor allem die Angestellten besser behandeln”, meint der Geschäftsmann, der gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlt.

Das ZDF zeigt die Reportage am Mittwoch, 18. Januar 2012, um 23.15 Uhr.

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Kommentare zum Artikel

Es gibt zurzeit 1 Kommentar/e zu dem Beitrag.

  1. Am 18.Jan 2012 schrieb Bettina:

    Die Arbeitsämter nötigen Arbeitslose geradezu, sich bei Zeitarbeitsfirmen zu bewerben.

    Als fast 50 jährige habe ich selbst schon viel Erfahrung mit Zeitarbeitsfirmen. Die bekannten und relativ seriösen ZAF nehmen MICH nicht mehr, ohne dies zu begründen (ich bin auf jeden Fall qualifiziert), also nehme ich an, dies ist im Alter begründet.

    Als MA einer Zeitarbeitsfirma ist man Mobbing ausgesetzt (ich spreche hier von Jobs im Büro), da man in die bestehende “Mannschaft” eindringt und doch nicht dazu gehört. Man bekommt Aufgaben die einen an die Belastungsgrenze bringt. Selten wird man übernommen und wenn, dann ist der heiß erkämpfte Platz immer ein Schleudersitz.

    Das Arbeitsamt argumentiert damit, dass es “immerhin Arbeit ist” (die Bedingungen sind ja wurscht) und dass ganz oft die Aussicht auf Übernahme besteht. Das ist Augenwischerei und zum Schönen der tollen Statistiken super geeignet.

    Neuerdings bekommen Zeitarbeitsfirmen sogar Zuschüsse, wenn es sich um eine wahrscheinliche ArbeitsVermittlung handelt.

    Im Gewerblichen Bereich ist es noch sehr viel schlimmer. Ich nenne es seit Jahren schon “MODERNES SKLAVENTUM”!!!!

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